Optische Täuschungen – darum lassen sich deine Augen austricksen

 

Bei einer optischen Täuschung nimmst du das, was du siehst, anders war als es tatsächlich ist. Das hat aber nicht direkt etwas mit deinen Augen zu tun, sondern mit der Verarbeitung des Gesehenen im Gehirn.

 

Traust du deinen Augen? Eine optische Täuschung kann dich oftmals daran zweifeln lassen. Du siehst dann Dinge, die so gar nicht da sind oder die eine zweite Person vielleicht ganz anders wahrnimmt. Aber keine Sorge: Solche visuellen Täuschungen weisen nicht auf ein Problem mit deinen Augen oder deiner geistigen Gesundheit hin. Sie sind vollkommen normal und tricksen jeden Menschen hin und wieder aus.

Was ist eine optische Täuschung?

Optische Täuschungen und Illusionen entstehen, wenn dein Gehirn durch den Seheindruck etwas wahrnimmt, das nicht mit der objektiv messbaren Realität übereinstimmt. Dabei können sie viele Formen annehmen: von schiefen Linien, die eigentlich gerade sind, über Farbtäuschungen bis hin zu Bildern, in denen verschiedene Menschen unterschiedliche Dinge sehen. Optische Täuschungen sind im Alltag nicht selten, sie werden aber auch in Museen ausgestellt oder zu Internetphänomenen. Auf welche Arten sich das menschliche Auge irritieren lässt, ist eben faszinierend. Überzeuge dich doch einmal selbst davon!

Optische Täuschungen mit Farben

Wie wir eine Farbe wahrnehmen, hängt auch davon ab, welche anderen Farben diese umgeben und was für Lichtverhältnisse vorhanden sind. So kann es beispielsweise passieren, dass du einen eigentlich grauen Punkt auf einmal als rötlich wahrnimmst, wenn er auf einer grünen Fläche abgebildet ist. Vielleicht erinnerst du dich noch an das schwarz-blaue Kleid, das einige Zeit in den sozialen Netzwerken kursierte? Aufgrund des gelblichen Kunstlichts, in dem es fotografiert wurde, sahen viele Menschen es als weiß-goldenes Kleid.

Eine weitere optische Farbtäuschung entsteht durch den sogenannten Troxler-Effekt. Wenn du dich länger auf einen Punkt in der Mitte eines Bildes konzentrierst, beginnen die Farben am Rand zu verblassen, bis sie überhaupt nicht mehr zu sehen sind: Permanente, winzige Augenbewegungen (Mikrosakkaden) sorgen dafür, dass das Licht auf der Netzhaut permanent verschoben wird und wir dauerhaft etwas sehen können. Bleibt der optische Reiz jedoch über längere Zeit gleich, blendet das Gehirn die Information jedoch nach und nach aus. Dieser Effekt sorgt übrigens auch dafür, dass du deine eigene Nase oder die Ränder deiner Brille nicht permanent siehst, obwohl sie sich immer im Blickfeld befinden.

Größentäuschung

Bei dieser optischen Täuschung erscheinen Objekte der gleichen Größe unterschiedlich groß. Auch gleich lange Linien können unterschiedlich lang wirken. Abhängig ist der Effekt von der Anordnung in einem perspektivischen Raum.

Bewegungsillusion

Sicher kennst du auch Bilder, die sich bei Betrachtung zu bewegen scheinen – dabei stehen sie eigentlich still. Die Stellen, die sich bewegen, sind in der Regel diejenigen, die das Auge gerade nicht fokussiert. So scheint es bei dieser visuellen Täuschung, als würden sich in einem Bild auf einmal Kreise drehen oder der komplette Hintergrund bewegen.

Perspektivische Wechselwirkung

Bei einer perspektivischen Wechselwirkung erscheint ein Objekt in einem Bild einmal im Vordergrund und anschließend im Hintergrund – und umgekehrt. In der Regel kannst du willentlich zwischen beiden Perspektiven hin- und herspringen. So entsteht ein dreidimensionaler Effekt, obwohl die Abbildung zweidimensional ist.

Visuelle Nachwirkung

Für eine visuelle Nachwirkung wird zunächst ein Objekt für eine gewisse Dauer – meist eine halbe Minute – betrachtet. Wendest du anschließend den Blick auf eine helle Fläche, siehst du dort eine Abbildung des Objekts in seinen Komplementärfarben. Diese optische Täuschung entsteht, weil die Fotorezeptoren der Augen für die eigentliche Farbe des Objekts bei längerer Konzentration ermüden. Das Phänomen wird auch genutzt, um die Netzhautkorrespondenz zu prüfen, die beim Binokularsehen eine Rolle spielt.

Phantombild als optische Täuschung

Ein Phantombild ist eine visuelle Illusion, weil es sich mehrdeutig interpretieren lässt. Bekannt ist beispielsweise die Abbildung von zwei Gesichtern, die sich anschauen. Die Lücke zwischen den beiden Figuren bildet einen Kelch. Manche Menschen sehen die Gesichter, andere den Kelch zuerst. Wer Bescheid weiß, kann sich aber auch auf die jeweils andere Form konzentrieren und sie so meistens erkennen.

Mehrdeutige Darstellungen

In einer mehrdeutigen Darstellung sind in einem einzigen Bild mehrere Bildvarianten versteckt. Siehst du beispielsweise beim ersten Hinschauen einen Hasen, wird dieser bei längerer Betrachtung zu einer Ente. Manche erkennen diesen Effekt nur, wenn sie darauf aufmerksam gemacht werden. Sobald du beide Varianten einmal gesehen hast, wird es unmöglich, sich nur auf eine Variante zu konzentrieren.

Unmögliche Objekte

Bei der optischen Täuschung mit unmöglichen Objekten wird ein Gegenstand abgebildet, der so nur zweidimensional existieren kann. Auf den ersten Blick erscheint das abgebildete Objekt ganz gewöhnlich – bei näherer Betrachtung und der dreidimensionalen Vorstellung des Objektes wird schließlich klar, dass es dieses so gar nicht geben kann. Beispiel hierfür ist das Penrose-Dreieck, auch als Tribar bekannt.

So lassen sich optische Täuschungen erklären

Optische Illusionen sind nichts Ungewöhnliches. Der Vorgang des Sehens ist ein Zusammenspiel von Auge und Gehirn. Ein gesundes Auge (auch mit Brille) nimmt die Umgebung korrekt auf und gibt die Informationen an das Gehirn weiter. Das Gehirn verlässt sich aber nicht nur auf den Sinneseindruck allein – es gleicht ihn auch mit Erfahrungswerten ab. Es versucht also, allen Dingen, die das Auge registriert, eine sinnvolle Bedeutung zu geben. So wird aus dem länglichen braunen Objekt mit grünen Gegenständen am oberen Ende ein Baum. Und so interpretiert das Gehirn auch ein unmögliches Objekt als mögliches.

Weil das Gehirn innerhalb des Bruchteils einer Sekunde eine Entscheidung treffen muss, ist bei einer mehrdeutigen Darstellung zunächst nur eine Variante erkennbar. Gleichzeitig produziert das Gehirn Fehlinterpretationen und Wahrnehmungen von Dingen, die überhaupt nicht da sind – es vervollständigt sie aus dem Gedächtnis. Häufig wird dir die optische Täuschung deshalb erst bewusst, wenn du länger hinschaust und mehr Informationen aufnimmst.

Optische Täuschungen bedeuten nicht, dass mit deiner Wahrnehmung etwas nicht stimmt, sondern demonstrieren sogar, wie unser Sehvorgang vonstattengeht. Stolperst du also das nächste Mal über eine visuelle Illusion, brauchst du dir keine Sorgen zu machen, sondern kannst ihre faszinierende Wirkung beruhigt genießen.

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