Neue Brille? Wann die Krankenkasse dafür zahlt

In drei Fällen wird deine Brille von der Krankenkasse übernommen: bei Kurz- oder Weitsichtigkeit ab 6,25 Dioptrien, einer Hornhautverkrümmung ab 4,25 Dioptrien und wenn nur noch eine maximale Sehkraft von unter 30 % vorliegt. Bei Minderjährigen ist die Brille meist Kassenleistung.

Brille auf Rezept Brille auf Rezept

Bis 2003 wurde noch jede Brille von der Krankenkasse bezahlt. Heute erfolgt die Kostenübernahme bei Erwachsenen nur noch in bestimmten Fällen. Zum Beispiel muss die Sehleistung so stark eingeschränkt sein, dass die betroffene Person ohne Brille nicht mehr gefahrlos am Alltagsleben teilnehmen kann. Gesetzliche Krankenkassen wie z.B. die TK, Barmer oder AOK kommen aber nicht für den Brillenrahmen, sondern nur für die Brillengläser auf. Sie zahlen Festbeträge für Standardgläser. Das Brillengestell und Kosten für höherwertige Gläser musst du in der Regel selbst übernehmen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Ab wieviel Dioptrien zahlt die Krankenkasse eine Brille?
  2. Wann werden Brillen für Kinder von der Krankenkasse bezahlt?
  3. Wie erhalte ich eine Brille auf Rezept?
  4. Wie viel zahlt die Krankenkasse für eine Brille?
  5. Werden auch Kontaktlinsen von der Krankenkasse übernommen?
  6. Wann bekomme ich eine neue Brille von der Krankenkasse bezahlt?
  7. Kostenübernahme deiner Brille durch private Krankenkassen

Ab wieviel Dioptrien zahlt die Krankenkasse eine Brille?

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt deine Brille in drei Fällen:

  • bei Kurz- oder Weitsichtigkeit mit Korrektionswerten von mehr als 6,00 Dioptrien
  • bei einer Hornhautverkrümmung mit Korrektionswerten von mehr als 4,00 Dioptrien
  • bei einer starken Sehbeeinträchtigung, die dir selbst mit Brille oder Kontaktlinsen nur eine Sehfähigkeit von unter 30 % ermöglicht

Auch wenn eine Augenverletzung oder -erkrankung vorliegt, bei der die Sehhilfe aus medizinischen Gründen erforderlich ist, übernehmen viele Krankenkassen die Kosten. Um deinen Bedarf nachzuweisen, brauchst du ein Brillenrezept von deinem Augenarzt. Generell ist eine Kostenübernahme nur für Brillen mit Einstärkengläsern möglich. Für die Kosten einer Gleitsichtbrille kommt die Krankenkasse nicht auf.

Wann werden Brillen für Kinder von der Krankenkasse bezahlt?

Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren zahlt die Krankenkasse die Brille. Auch sie benötigen dazu ein Rezept. Kinder unter 14 Jahren bekommen bei Verlust oder bei Defekten ihrer Brille innerhalb von drei Monaten nach Rezeptausstellung von der Krankenkasse eine neue bezahlt. Ändern sich die Korrektionswerte, brauchen sie eine Folgeverordnung. Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren können direkt zum Optiker gehen, wenn eine Neubestimmung der Sehwerte vorgenommen werden soll. Solange sie schulpflichtig sind, bekommen Minderjährige auch eine Sportbrille von der Krankenkasse finanziert.

Wie erhalte ich eine Brille auf Rezept?

Um deine Brille von der Krankenkasse bezahlen zu lassen, benötigst du eine Verordnung vom Augenarzt. Diese musst du deinem Optiker vorlegen, damit er sich die Kosten von der Krankenkasse zurückholen kann. So funktioniert es Schritt für Schritt:

  1. Du gehst zum Augenarzt und lässt einen Sehtest machen. Die Augenuntersuchung ist für dich kostenlos.
  2. Der Augenarzt stellt dir ein Brillenrezept aus, auf dem deine Korrektionswerte ersichtlich sind. Auch das ist eine Kassenleistung.
  3. Du gehst zum Optiker, wählst eine Brille aus und lässt sie dir anpassen. Der Optiker zieht den Festzuschuss der Krankenkasse vom Gesamtpreis ab. Du zahlst also nur das Brillengestell sowie Zusatzleistungen wie Entspiegelung oder andere Brillenglas-Veredelungen.
  4. Der Optiker rechnet den Festbeitrag direkt mit der Krankenkasse ab. Du brauchst dich um nichts weiter zu kümmern.

Wie viel zahlt die Krankenkasse für eine Brille?

Wie hoch der Zuschuss der Krankenkasse für deine Brille ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen die Art der Fehlsichtigkeit, die Dioptrienzahl und die Ausführung der Gläser. Die einheitlichen Festbeträge wurden vom GKV- Spitzenverband über Festbeträge für Sehilfen 2021 gemeinsam beschlossen. Sie bewegen sich je nach Sehhilfe zwischen 16 Euro für eine Einstärkenbrille bis zu 190 Euro für eine Gleitsichtbrille pro Glas.

Werden auch Kontaktlinsen von der Krankenkasse übernommen?

In der Regel bezahlt die Krankenkasse zuerst formstabile Kontaktlinsen. Verträgst du diese nicht, ist aber ein Umstieg auf weiche Linsen möglich, bedarf jedoch einer besonderen Begründung. Ein ausreichender Trageversuch mit formstabilen Linsen muss erfolglos durchgeführt worden sein.

Da Kontaktlinsen aus medizinischen Gründen nicht ununterbrochen getragen werden sollen, ist bei Kontaktlinsen die zusätzliche Verordnung von Brillengläsern möglich. Bei Alterssichtigkeit sind zusätzlich zu Kontaktlinsen Einstärkenbrillengläser für den Nahbereich verordnungsfähig.

Grundsätzlich trägt die Krankenkasse einen Zuschuss bei Vorliegen einer der folgenden Fehlsichtigkeiten:

  • Kurzsichtigkeit (Myopie) mit Korrektionswerten von mehr als 8,00 Dioptrien
  • Weitsichtigkeit (Hyperopie) mit Korrektionswerten von mehr als 8,00 Dioptrien
  • Irregulärer Astigmatismus, wenn damit eine um mindestens 2 Visus-Stufen verbesserte Sehstärke gegenüber Brillengläsern erreicht wird
  • Astigmatismus rectus und inversus ≥ 3,00 Dioptrien
  • Astigmatismus obliquus (Achslage 45°+/- 30°, bzw. 135° +/- 30°) ≥ 2,00 Dioptrien
  • Keratokonus (Fortschreitende Ausdünnung und kegelförmiger Verformung der Hornhaut)
  • Aphakie (Linsenlosigkeit eines Auges)
  • Aniseikonie > 7 %

Wann bekomme ich eine neue Brille von der Krankenkasse bezahlt?

Die Krankenkasse bezahlt dir nur erneut eine Brille, wenn sich deine Sehstärke um mindestens 0,5 Dioptrien verschlechtert hat. Wünschst du dir allein aus ästhetischen Gründen ein neues Modell, musst du für die Kosten selbst aufkommen. Geht deine Brille kaputt, kannst du aber einen Zuschuss für die Reparatur oder Neuanschaffung von der Krankenkasse bekommen.

Kostenübernahme deiner Brille durch private Krankenkassen

Private Krankenkassen funktionieren etwas anders als gesetzliche. Bei ihnen kannst du eine Brillenzusatzversicherung abschließen. Dann hast du, je nachdem bei welcher privaten Versicherung du bist, alle zwei Jahre Anspruch auf eine neue Brille bzw. neue Gläser. Verschlechtert sich dein Sehvermögen, erhältst du auch vor Ablauf dieser Zeit Leistungen. In welcher Höhe die Kosten übernommen werden, hängt vom jeweiligen Tarif ab. Eine einheitliche Regelung gibt es hierfür nicht. Auch wenn du gesetzlich versichert bist, kannst du dich natürlich für eine private Brillenzusatzversicherung entscheiden.

War dieser Artikel hilfreich?

Danke für deine Bewertung!

Von unserem Optik-Team geprüft:

Jennifer Gruhne

Augenoptikermeisterin und Qualified Person

Jennifer ist Augenoptikermeisterin und bei Brille24 für die Qualitätssicherung zuständig. Sie ist im Bereich der Augenoptik breit aufgestellt und hat sowohl bei Brillen als auch bei Kontaktlinsen eine starke Expertise.

Für den Newsletter anmelden und 8€ Gutschein sichern!