Nystagmus - unkontrollierbares Augenzucken

Nystagmus beschreibt eine ständige, unkontrollierte, ruckartige Bewegungen eines Organs - wie beispielsweise des Auges. Die Betroffenen können dieses Augenzittern nicht kontrollieren und haben Schwierigkeiten, feste Punkte zu fixieren. Meist tritt dies im frühen Kindesalter auf.

Mann hält sich Hand an die Stirn Mann hält sich Hand an die Stirn

Verschiedene Formen von Nystagmus

Zunächst muss zwischen physiologischem und pathologischem Nystagmus unterschieden werden. Die physiologische Nystagmusform hat keine negativen Auswirkungen auf den Organismus und findet sich sowohl im gesunden als auch im kranken Auge wieder, denn er dient dem Ausgleich von Körperbewegungen. 

Der optokinetische Nystagmus dient zur Bildstabilisierung von bewegten Bildern, z.B beim Betrachten von Objekten auf der Autobahn. Infolgedessen ist eine scharfe Abbildung auf der Netzhaut möglich. Der Nystagmus dient zudem zur Kompensation von Schwindelgefühlen. Auch Temperaturreize können im Gehirn das Gefühl einer Drehung auslösen, weshalb diese ebenfalls zu einer typischen Bewegung - auch Sakkade genannt - nach links oder rechts führt.
Treten die Sakkaden unkontrolliert und ohne bestimmten Grund auf, handelt es sich um einen pathologischen Nystagmus oder auch Augenzittern. Diese Form ist der Fachausdruck für wiederholte, unkontrollierbare Augenbewegungen, die es den Betroffenen unmöglich machen, ein bestimmtes Objekt dauerhaft zu fixieren. Diese krankhafte Bewegung wird auch Augenzittern genannt und tritt in der Regel schon im Kindesalter auf.

Nach diesen Kriterien lassen sich in die Formen des Augenzitterns unterteilen:

Physiologisch

  • Provokationsnystagmus: Wird durch Temperatur ausgelöst.
  • Optokinetischer Nystagmus: Wird durch das Beobachten von Objekten in Bewegung ausgelöst. Damit dein Gehirn ein konstantes Bild zusammensetzen kann, zuckt das Auge immer wieder zurück.
  • Kalorischer Nystagmus: Wird durch Wärme oder Kälte im äußeren Gehörgang ausgelöst wird. Gesunde Menschen reagieren in der Regel mit einer unwillkürlichen Augenbewegung bzw. Sakkade.
  • Rotatorischer bzw. postrotatorischer Nystagmus: Wird durch Drehung und Schwindelgefühl ausgelöst. Die Augen versuchen den Schwindel durch Gegenbewegungen zu reduzieren.
  • Vestibulärer Nystagmus: Wird durch eine schnelle Drehbewegung des Kopfes ausgelöst

Pathologisch

  • Spontannystagmus: Die Schlag- und Pendelbewegungen treten auch im Ruhezustand auf.
  • Downbeat bzw. Upbeat Nystagmus: Das Auge schlägt in seiner Neutralposition regelmäßig nach oben oder unten aus.
  • Latenstyp-Nystagmus: Bei dieser Form des Nystagmus treten bei Fixation mit dem linken Auge Schlagbewegungen nach links auf, während Fixationen mit dem rechten Auge für Schlagbewegungen nach rechts sorgen. Wird ein Auge verdeckt, verstärkt sich der Effekt.
  • Fixationsnystagmus: Beim Versuch ein Objekt zu fixieren, schlägt das Auge schneller und stärker aus.
  • Blickrichtungsnystagmus: Das Augenzittern wird durch den Blick in eine bestimmte Richtung ausgelöst.
  • Dissoziierter Nystagmus: Ein Auge ist deutlich stärker vom Augenzittern betroffen als das andere.

Ursachen und Symptome des Augenzuckens

Die Ursache für das krankhafte Augenzucken ist in beinahe allen Fällen neurologisch und entweder im Auge selbst oder im Innenohr zu finden. Die Ausnahme stellt das Augenzittern infolge eines Traumas oder einer anderen Krankheit dar.

Mögliche Auslöser für den Ruck-Nystagmus können Probleme im Innenohr sein. Dabei kann es sich um Innenohrerkrankungen wie Morbus Menière oder eine Wasseransammlung in nur einem Ohr handeln. Aufgrund der spezifischen, ruckartigen Augenbewegungen leiden die Betroffenen häufig unter Schwindel und Übelkeit. Diese Form des Augenzuckens verschwindet normalerweise, sobald der Auslöser geheilt ist.

Allen Nystagmus-Formen ist gemeinsam, dass die Betroffenen ihre Augenbewegungen nicht bewusst kontrollieren können. In einigen Fällen verbessern sich die Symptome im Erwachsenenalter, gleichzeitig können sie bei Müdigkeit und Stress jedoch auch schlimmer werden.

Das Augenzittern hat sowohl Auswirkungen auf die Sehkraft als auch auf die Wahrnehmung. Bei den meisten Betroffenen ist das Sehvermögen eingeschränkt, weil die Augen ununterbrochen über ein bestimmtes Objekt schweifen, was eine detaillierte Wahrnehmung erschwert bis unmöglich macht. Bei manchen sind die Symptome so stark ausgeprägt, dass sie offiziell als blind gelten.

Wenn du unter pathologischem Nystagmus leidest, betrifft das nicht nur deine äußere Erscheinung. Du hast wortwörtlich eine vollkommen andere Sichtweise auf die Dinge als gesunde Menschen, denn deine Augen sind in ständiger Bewegung. Vielleicht gehörst du auch zu den Betroffenen, die ihren Kopf in eine Position drehen, in der die Augenbewegungen am geringsten sind (auf den sogenannten Nullpunkt), sodass sie ein halbwegs stabiles Bild wahrnehmen. Das macht es häufig schwer, fremden Menschen gegenüberzutreten.

Neben den körperlichen Symptomen hat der pathologische Nystagmus also sehr persönliche und soziale Auswirkungen. Manchmal ist es schwer, jemandem zu vermitteln, wie sehr diese minimalen Augenbewegungen dein Leben beeinflussen. Für einen offenen und selbstbewussten Umgang mit der Erkrankung finden Betroffene Unterstützung bei psychologisch geschulten Spezialisten oder in Selbsthilfegruppen.

Diagnose pathologischer Nystagmus – welche Behandlung ist möglich?

Je nachdem, was das krankhafte Augenzittern auslöst, muss selbstverständlich auch die Therapie daran angepasst werden. Das angeborene Augenzittern kann nicht vollständig geheilt werden. Es gibt allerdings einige chirurgische und medikamentöse Behandlungen, die die Symptome (zumindest vorübergehend) lindern.

Die chirurgische Behandlung des Nystagmus zielt in den meisten Fällen darauf ab, die oben beschriebene Null-Position so zu verändern, sodass der Kopf weniger stark gedreht werden muss. Zu diesem Zweck werden die Muskeln rund um das Auge in ihrer Position verlagert. So können die Betroffenen selbstbewusster auftreten, weil Fremde die Bewegung nicht mehr so deutlich wahrnehmen.

Die Behandlung mit Medikamenten wie Botox oder Baclofen kann die unkontrollierten Augenbewegungen deutlich abschwächen. Die Wirkung ist allerdings nur vorübergehend, da der Körper diese Nervengifte nach gewisser Zeit abbaut.

Bei einigen Patienten zeigt Biofeedback-Training eine positive Wirkung. Bei dieser Methode werden Muskeln und Nerven zunächst mit elektronischen Sensoren stimuliert. Optimalerweise lernen Patienten dadurch, diese Bewegungen auch ohne elektronische Impulse bewusst auszuführen und dadurch zu steuern. Bei Nystagmus-Patienten zielt dieser Ansatz darauf ab, die Augenbewegungen kontrollieren zu können und dadurch das unbewusste Augenzittern abzuschwächen.

Die allgemeine Sehkraft kann beim Augenzittern sowohl mit einer Brille als auch mit Kontaktlinsen verbessert werden. Dabei haben Kontaktlinsen den Vorteil, dass sie sich mit dem Auge bewegen und deshalb in jedem Blickwinkel zentriert sind.

Wichtig ist, dass Betroffene regelmäßig zur Augenuntersuchung gehen, damit sowohl die Sehkraft als auch die Symptome gründlich überwacht werden können.

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