Vergrößerungsbrillen und andere vergrößernde Sehhilfen

 

Vergrößerungsbrillen und andere vergrößernde Sehhilfen kommen zum Einsatz, wenn Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr ausreichen, um eine Sehschwäche zu korrigieren. Auch bei anderen, zum Beispiel krankheitsbedingten Einschränkungen der Sehkraft können sie hilfreich sein und die Lebensqualität verbessern.

 

Brillen und Kontaktlinsen sind das Mittel der Wahl, um Sehschwächen auszugleichen. Jedoch können sie nur fehlerhafte Brechwerte korrigieren – nicht etwa eine Schädigung des Sehnervs oder der Netzhaut. Wenn diese Hilfsmittel nicht mehr ausreichen, kommen vergrößernde Sehhilfen wie Vergrößerungsbrillen oder Lupen zum Einsatz, mit denen das Sehen oder das Lesen zumindest teilweise wieder möglich wird.

Wann sind vergrößernde Sehhilfen sinnvoll?

Wenn die Korrektur einer Sehschwäche mithilfe von Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr ausreicht oder eine Augenerkrankung zu nachlassender Sehkraft führt, empfinden viele Menschen ein Gefühl der Hilflosigkeit: Die schwindende Sehkraft bringt beträchtliche Einschränkungen im Alltag mit sich. Es gibt jedoch zahlreiche Lesehilfen für Sehbehinderte, die die Lebensqualität positiv beeinflussen können.

Vergrößernde Sehhilfen wie Lupen oder Vergrößerungsbrillen werden zum Beispiel bei einer Makuladegeneration, einer Schädigung des Sehnervs oder bei einer Eintrübung der Augenlinse eingesetzt.

Sinnvoll sind sie vor allem dann, wenn genug „Inseln“ des scharfen Sehens vorhanden sind, um aus einzeln wahrgenommenen Bildausschnitten noch ein Gesamtbild zusammensetzen zu können. Die Bildausfälle können nicht aufgehoben werden, aber die Vergrößerung macht es möglich, mit den nicht betroffenen Bereichen der Netzhaut oder der Augenlinse genug Informationen zu erfassen. Alltägliche Dinge wie Handarbeit, Lesen oder Fernsehen werden dadurch wieder möglich.

Welche Sehhilfen für Sehbehinderte gibt es?

Als vergrößernde Sehhilfen bei einer Makuladegeneration oder anderen Einschränkungen stehen sowohl optische als auch elektronische Hilfsmittel zur Verfügung.

Vergrößernde Lesegläser

Optische Lupen sind die einfachste Form der vergrößernden Sehhilfen. Sie werden in der Hand gehalten und beim Lesen über das Buch oder die Zeitung bewegt. Erhältlich sind einfache Handlupen, kleine Taschenlupen für unterwegs oder auch Leuchtlupen für das Lesen bei Dämmerlicht. Sie punkten mit einer guten Vergrößerung, müssen jedoch sehr nah an den Text gehalten werden und zeigen daher immer nur einen kleinen Ausschnitt des Materials.

Eine weiterentwickelte Variante sind Leselupen mit einem Aufsatz. Diese können beispielsweise auf einer Zeitung abgestellt werden, sodass sie nicht die ganze Zeit über in der Hand gehalten werden müssen. Auch Stative sind erhältlich – so lässt sich sogar ein größerer Abschnitt auf einmal betrachten. 

Lupenbrillen zum Lesen

Lupenbrillen (auch „Vergrößerungsbrillen“ genannt) sind Brillen, die durch eine integrierte Lupe verstärkt werden. Sie sind als binokulare (mit Lupen auf beiden Gläsern) oder als monokulare (mit einer Lupe nur auf einem Glas) Vergrößerungsbrillen erhältlich. Auch Lupenbrillen bedingen beim Lesen einen sehr kleinen Leseabstand, dafür ist das Sehfeld hier etwas größer als bei einer reinen Handlupe.

Diese Vergrößerungsbrillen können mit (LED-)Licht erworben werden, wodurch das Lesen auch bei Dämmerung oder unzureichender Beleuchtung leichter fällt.

Fernrohrbrillen

Wie der Name schon sagt, bestehen diese Brillen zum einen aus dem Brillengestell mit Gläsern und zum anderen aus einer Art Fernrohr, das auf die Gläser gesetzt wird. Fernrohrbrillen ermöglichen eine deutliche Vergrößerung, erlauben jedoch nur ein sehr kleines Sehfeld. Da Entfernungen durch Fernrohrbrillen anders wahrgenommen werden, sollten sie nicht in Bewegung – also etwa beim Gehen – verwendet werden. Sie können aber im Kino oder bei der Orientierung (Schilder lesen, etc.) sehr nützlich sein.

Diese Art von Vergrößerungsbrille ist außerdem für Brillenträger günstig, da eine Sehschwäche gleich mitkorrigiert werden kann.

Eine weitere Option sind kleine Handfernrohre. Diese können in der Handtasche mitgeführt und unterwegs bei Bedarf genutzt werden. Viele Menschen bevorzugen diese Variante, da Fernrohrbrillen für alle anderen sichtbar machen, dass hier eine Sehhilfe für Sehbehinderte benötigt wird – das ist nicht jedem angenehm.

Elektronische Lupen bzw. Bildschirmlesegeräte

Elektronische Lupen werden ähnlich wie herkömmliche Lupen über den zu lesenden Text geführt. Der Text wird jedoch nicht einfach vergrößert, sondern eine Kamera nimmt ihn auf und überträgt ihn auf den integrierten Bildschirm. Elektronische Lupen gehören zu den am stärksten vergrößernden Sehhilfen mit einer bis zu 20-fachen Vergrößerung. Zusätzliche Stative erleichtern die Handhabung.

Der Nachteil von Bildschirmlesegeräten liegt darin, dass nur ein sehr kleiner Textausschnitt sichtbar ist. Doch sie ermöglichen vielen Menschen erneut das Lesen oder Schreiben, obwohl das zuvor gar nicht mehr denkbar war.

Eine Abwandlung der elektronischen Lupen sind Videolupen: Diese projizieren den eingelesenen Text direkt auf den Fernseher, wo er deutlich größer und dadurch lesbarer dargestellt wird.

Vergrößerungs-Software für den Computer

Die gängigen Betriebssysteme umfassen heutzutage eine Software, die das Vergrößern einzelner Bildschirmabschnitte mithilfe einer digitalen Lupe erlaubt.

Sehhilfen für stark Sehbehinderte und Blinde

Wenn selbst Vegrößerungsbrillen, Lupen und Fernrohrbrillen nicht mehr helfen, gibt es noch die Option, Text in Sprache umwandeln zu lassen. Dafür stehen verschiedene Geräte und Softwares zur Verfügung, die den eingelesenen Text laut vorlesen. Damit wird sogar die intensive Bildschirmarbeit – nach einer gewissen Eingewöhnung – für Sehbehinderte und Blinde wieder möglich.

Schwierigkeiten, die Seh- und Lesehilfen für Sehbehinderte mit sich bringen

Unabhängig davon, welche Sehhilfe zum Einsatz kommt: die Nutzung ist in der Regel mit einer gewissen Eingewöhnungszeit verbunden. Besonders die Einschränkung des Gesichtsfelds und der notwendigerweise sehr geringe Abstand zum Text oder Bild erfordern einiges an Geduld und Frustrationstoleranz.

Mit etwas Übung können Vergrößerungsbrillen und andere Sehhilfen jedoch die Lebensqualität deutlich verbessern und sollten daher zumindest ausprobiert werden.

Weitere Tipps, um vergrößernde Sehhilfen richtig einzusetzen

Die richtige Beleuchtung spielt für jede Sehhilfe eine wichtige Rolle. Sehr helles, kaltes Licht ist meist die beste Wahl. Anders sieht es aus, wenn eine Lichtempfindlichkeit vorliegt. Insbesondere Senioren sehen im grellen Sonnenlicht oft schlechter. Dann können Filtergläser das Kontrastsehen verbessern oder sogar die Augen schützen, zum Beispiel wenn eine Netzhauterkrankung vorliegt.

Stative und Clips erleichtern den Einsatz der vergrößernden Sehhilfen. Damit können Lupen in einem angenehmen Abstand über dem zu betrachtenden Gegenstand oder auch einfach direkt auf der eigenen Brille befestigt werden. Die Hände bleiben frei, sodass wieder Handarbeiten und ähnliche Tätigkeiten möglich werden.

Entscheidend ist bei allen Sehhilfen, dass sie korrekt und sorgfältig an die jeweilige Person angepasst werden. Daher solltest du dich in jedem Fall intensiv von deinem Augenoptiker oder Augenarzt beraten lassen, wenn du eine Sehhilfe in Anspruch nimmst.

Werden Lesehilfen für Sehbehinderte von der Krankenkasse übernommen?

Wenn du bestätigt bekommst, dass eine vergrößernde Sehhilfe für dich notwendig ist, können die Kosten dafür von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden. Die Sehhilfe muss jedoch angemessen sein: Liegt bei dir nur eine gewöhnliche Kurzsichtigkeit vor, wird die Krankenkasse dein Bildschirmlesegerät nicht bezahlen. Bisweilen wird auch statt einer kompletten Kostenübernahme nur ein Zuschuss gewährt.

Damit deine Seh- bzw. Lesehilfe von der Krankenkasse genehmigt wird, solltest du das Gespräch mit deinem Optiker oder Augenarzt suchen und dir hier Rat und Unterstützung holen.

Finde deinen Optiker vor Ort