Funktionaloptometrie und Visualtraining

 

Das Visualtraining ist ein Teilbereich der Funktionaloptometrie. Es zielt darauf ab, mithilfe von speziellen Übungen die Sehkraft zu verbessern. Meist wird das Visualtraining ergänzend zu einer Sehhilfe angewendet, es kann aber auch eine Alternative zu Brille & Co. sein.

 

Die Funktionaloptometrie ist ein Teilgebiet der Optometrie. Funktionaloptometristen beschäftigen sich unter anderem mit der Entwicklung der Augen, mit der Augenmotorik und mit dem Visualtraining. Im Visualtraining geht es hauptsächlich darum, mithilfe von gezielten Übungen die Sehkraft gesunder Augen zu verbessern.

Was genau ist Visualtraining?

Die Begriffe „Funktionaloptometrie“ und „Visualtraining“ werden teilweise synonym gebraucht. Tatsächlich ist aber das Visualtraining ein Bestandteil des größeren Bereichs Funktionaloptometrie. Das Besondere am Visualtraining ist, dass eine Sehschwäche nicht nur mit einer Sehhilfe korrigiert wird, sondern dass die Trainer versuchen, die Sehkraft zu verbessern. Voraussetzung ist, dass die Augen grundsätzlich gesund sind.

Die verschiedenen Übungen im Visualtraining trainieren jeweils unterschiedliche Vorgänge des Sehprozesses:

  • Fixieren (die Fähigkeit der Augen, einen Gegenstand zu erfassen)
  • Augenbewegungen
  • Akkommodation (Wechsel zwischen Nah- und Fernsicht)
  • Wahrnehmung

 

Die Übungen des Visualtrainings sind ganzheitlich angelegt, sodass nicht nur das Auge (und dessen Muskeln) selbst, sondern auch Wahrnehmungsprozesse im Gehirn mit einbezogen werden. Es ist inzwischen bekannt, dass unser Sehsinn sich auch auf unsere anderen Sinne und auf weitere Körperfunktionen auswirkt. Das optometrische Visualtraining ist daher zum Beispiel bei Sportlern beliebt, doch auch Kinder können durch Visualtraining zumindest teilweise ihre Sehkraft stärken.

Meist wird das Visualtraining ergänzend zu einer bereits vorhandenen Sehhilfe eingesetzt. In manchen Fällen – zum Beispiel, wenn bei einer Winkelfehlsichtigkeit der Einsatz einer Prismenbrille nicht klar indiziert ist – kann es aber auch eine Alternative zur Sehhilfe sein.

Wie genau läuft das Visualtraining ab?

Am Anfang führt der Funktionaloptometrist einige Messungen am Auge durch. Dadurch erkennt er bereits, wodurch die Sehkraft beeinträchtigt sein kann. Oft sind Fehlstellungen der Augen aufgrund von geschwächten Augenmuskeln verantwortlich.

Im Anschluss wird dann ein persönlicher Trainingsplan erstellt. Das Material für dein Visualtraining bekommst du zur Verfügung gestellt, sodass du deine Übungen auch zu Hause durchführen kannst. Das können einfache Materialien aus Pappe oder Plastik sein, oder du trainierst mit technischen Geräten, in die du hineinsiehst.

Nach einer gewissen Trainingsperiode – meist mehrere Wochen – überprüft der Funktionaloptometrist deine Fortschritte und die Wirksamkeit des Visualtrainings. Falls nötig, wird er die Übungen anpassen, bis sich Erfolge einstellen. Das Visualtraining läuft in der Regel über einen längeren Zeitraum und umfasst daher mindestens einige Monate.

Wobei kann ein funktionaloptometrisches Visualtraining helfen?

Das Visualtraining hat zum einen klare Grenzen: Wenn eine Krankheit wie etwa eine Netzhauterkrankung oder ein Grauer Star vorliegt, hilft das Visualtraining nicht. Wenn aber beispielsweise die Augenmuskeln zu schwach sind, um die Augen in der richtigen Position zu halten (etwa bei einer Heterophorie), sind gute Erfolge möglich. Hier einige Beispiele dazu, was mit Visualtraining möglich ist:

  • beidäugiges (binokulares) Sehen verbessern
  • Akkommodation (Scharfstellen) trainieren
  • Zeichen und Buchstaben besser erkennen
  • das gesehene Bild ruhig halten
  • Aufmerksamkeit und Konzentration stärken

 

Manchmal ist es gar nicht offensichtlich, dass ein konsequentes Visualtraining eine Hilfe sein könnte. So wurde beispielsweise festgestellt, dass bei leseschwachen Kindern – sogar bei diagnostizierter Lese-Rechtschreib-Schwäche – häufig auch Schwierigkeiten beim Sehen auftreten, die aber nicht immer erkannt werden. So können Übungen aus dem Visualtraining mitunter sogar die Lesefähigkeit verbessern.

Wann ist ein funktionaloptometrisches Visualtraining anzuraten?

In der Regel ist eine Korrektur der Sehschwäche – mithilfe einer Brille oder von Kontaktlinsen – die bevorzugte Wahl. Wenn trotz gesunder Augen die Sehhilfe nicht den gewünschten Effekt bringt, ist das Visualtraining einen Versuch wert. Besonders häufig wird Visualtraining bei Kindern eingesetzt, denn sie lernen noch intensiver als Erwachsene. So lassen sich manche Sehschwächen verbessern oder zumindest stabilisieren.

Ist das optometrische Visualtraining eine Kassenleistung?

Eine Kostenübernahme des Visualtrainings ist derzeit gesetzlich noch nicht möglich. Eventuell übernimmt deine private Krankenkasse das Visualtraining oder gewährt dir einen Zuschuss. Damit du nicht von den Kosten überrascht wirst, solltest du die Preise für das Visualtraining vorab erfragen und gegebenenfalls einen Antrag bei deiner Krankenkasse einreichen.

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