MPU – Ablauf und Vorbereitung

 

Wer seinen Führerschein verliert, kann zu einer MPU oder einem ärztlichen Gutachten zur Fahreignung verpflichtet werden. Das Prüfverfahren berücksichtigt medizinische, psychologische und weitere Leistungsfaktoren. Bei erfolgreichem Gutachten kannst du deinen Führerschein wiederbekommen.

 

Wer seinen Führerschein verloren hat, muss sich in bestimmten Fällen einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (kurz: MPU) unterziehen. Sprechen körperliche oder geistige Beeinträchtigungen gegen die Fahrtüchtigkeit, ist dagegen nur ein ärztliches Gutachten zur Fahreignung erforderlich. Das ist beispielsweise bei einem eingeschränkten Sehvermögen der Fall. Die Indikationen und der Ablauf einer MPU sind klar geregelt. Wer sich entsprechend vorbereitet und einsichtig ist, hat gute Chancen, den Führerschein nach bestandener Untersuchung wiederzubekommen.

MPU oder ärztliches Gutachten zur Fahreignung?

Möchtest du deinen Führerschein zurück, stellst du zunächst einen Wiedererteilungsantrag bei der Führerscheinstelle. Diese entscheidet, ob du ein MPU-Gutachten benötigst oder dich ärztlich untersuchen lassen musst. Wann welches Verfahren indiziert ist, steht in der Fahrerlaubnisverordnung. Gründe für eine medizinisch-psychologische Untersuchung sind beispielsweise:

  • Alkohol – bei einmaliger Auffälligkeit mit über 1,6 Promille, wiederholter Auffälligkeit, begründetem Verdacht auf Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit
  • zu viele Punkte – ab einer Punktzahl von 8 im Fahreignungsregister
  • Drogen – wenn die Fahrerlaubnis wegen Drogenkonsums oder -abhängigkeit entzogen wurde oder z. B. geprüft werden soll, ob eine Abhängigkeit nicht mehr vorliegt bzw. Konsum und Verkehrsteilnahme voneinander unabhängig sind

Ein ärztliches Fahreignungsgutachten kann aus folgenden Gründen notwendig sein:

  • Drogen – bei Abhängigkeit bzw. Einnahme illegaler Drogen nach dem Betäubungsmittelgesetz oder Medikamentenmissbrauch
  • gesundheitliche Beeinträchtigungen – z. B. Herzerkrankungen, Epilepsie, Diabetes mit Stoffwechselentgleisungen oder schwere psychische Störungen
  • körperliche Beeinträchtigungen – wie eingeschränktes Seh- bzw. Hörvermögen oder Bewegungsbehinderungen

 

Die Führerscheinstelle teilt dir mit, welche Untersuchung für dich relevant ist. So kannst du dich gezielt darauf vorbereiten.

Vorbereitung auf das MPU-Gutachten

Wenn du ein MPU-Gutachten benötigst, beantragst du es selbstständig bei einer Begutachtungsstelle deiner Wahl. Diese erhält von der Führerscheinstelle deine Akte, aus der auch der Grund für die Entziehung der Fahrerlaubnis hervorgeht. Davon abhängig wird der Schwerpunkt deiner Untersuchung festgelegt. Bevor die MPU stattfinden kann, musst du sie bezahlen. Die Kosten können unterschiedlich hoch ausfallen. Meistens bewegen sie sich zwischen 350 und 750 Euro. Je nach Untersuchungsgrund können weitere Kosten für Blut- und Urintests oder Haaranalysen anfallen.

Auch MPU-Beratungs- und Vorbereitungsseminare sind in der Regel kostenpflichtig. Sie erhöhen jedoch deine Chance, die Untersuchung gleich beim ersten Mal zu bestehen – und so nicht noch einmal dafür zahlen zu müssen. Kurse zum Fahreignungsgutachten werden zum Beispiel vom TÜV oder vom ADAC angeboten. Bei der Oculus-Akademie kannst du auch ein spezielles Seminar zum Thema Sehfunktion im Straßenverkehr belegen.

So läuft die Fahreignungsbegutachtung ab

Der Ablauf einer MPU ist immer gleich – nur die Reihenfolge kann unterschiedlich ausfallen. Je nachdem, warum du deine Fahrerlaubnis verloren hast, liegt darauf vor allem in der psychologischen Untersuchung der Fokus. Das MPU-Gutachten dauert ungefähr drei bis vier Stunden. Es gliedert sich in vier Teile:

  • Fragebogen: Zunächst musst du einige allgemeine Fragen zu deiner Person sowie deiner Gesundheit beantworten. Bei Verständnisschwierigkeiten kannst du dich an Mitarbeitende der Begutachtungsstelle wenden.
  • Leistungstest: Hierbei werden Reaktionsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration sowie logisches Denken überprüft. Für Alkohol- oder Drogenprobleme gibt es zudem spezifische Tests.
  • Medizinische Untersuchung: In einem Anamnesegespräch machst du Angaben über deine Krankengeschichte und Medikamente, die du zurzeit einnimmst. Außerdem wird geprüft, ob körperliche Mängel deiner Fahrtüchtigkeit entgegensprechen. Hast du deinen Führerschein wegen Alkohol- oder Drogenkonsum verloren, folgt ein Blut- oder Urintest.
  • Psychologisches Gespräch: Etwa eine Stunde lang unterhält sich ein Psychologe oder eine Psychologin mit dir. Dabei wird geprüft, ob du dir über die Ursachen deines Verkehrsverhaltens bewusst bist, welche Konsequenzen du daraus ziehst und ob du insgesamt einsichtig bist. Dabei spielt vor allem die Glaubwürdigkeit deiner Antworten eine Rolle. Je ehrlicher und offener du die Fragen beantwortest, desto besser.

Ablauf des ärztlichen Gutachtens für die Fahreignung

Das medizinische Gutachten zur Fahreignung bezieht sich immer auf den Grund, aus dem es angeordnet wurde. Der Ablauf unterscheidet sich daher von Person zu Person. Durchführen dürfen die Untersuchung Ärzte des Gesundheitsamts, Begutachtungsstellen für Fahreignung, Betriebsärzte sowie rechts- und verkehrsmedizinische Fachärzte. Du kannst dafür also nicht einfach zu deinem Hausarzt gehen.

Je nach gesundheitlicher Einschränkung werden bei der medizinischen Untersuchung zur Fahreignung beispielsweise folgende Aspekte überprüft:

  • dein allgemeiner Gesundheitszustand
  • Sinnesfunktionen wie Hör- oder Sehvermögen
  • das Nervensystem
  • dein Reaktionsvermögen
  • psychische Verfassung und Belastbarkeit
  • Konsum von Medikamenten oder Drogen

 

Auch die Kosten für das ärztliche Gutachten hast du selbst zu tragen. Abhängig vom Untersuchungsschwerpunkt variieren diese stark. Sie können sich auf ein paar hundert bis mehrere tausend Euro belaufen. Am besten erfragst du vorher, wie viel du für das Gutachten bezahlen musst.

Wie es nach der Fahreignungsbegutachtung weiter geht

Meistens erfährst du noch am selben Tag, wie dein MPU-Gutachten oder die ärztliche Untersuchung ausgegangen ist. Das schriftliche Gutachten erhältst du jedoch erst etwa 14 Tage später. An wen dieses geschickt wird, kannst du schon im Vorhinein festlegen. Wenn du dir nicht sicher bist, ob du bestehen wirst, solltest du es als einzige Person empfangen. Falls das Gutachten negativ ausfällt, brauchst du es nicht an die Führerscheinstelle weiterzuleiten. Die Begutachtungsstelle muss die Informationen, die sie von dir hat, vertraulich behandeln. Du kannst die MPU zu einem späteren Zeitpunkt wiederholen.

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