Was ist Amblyopie (Schwachsichtigkeit)?

 

Bei einer Amblyopie ist die Entwicklung der Sehkraft gestört. Die sogenannte Schwachsichtigkeit tritt bereits im Säuglings- und Kleinkindalter auf und kann eines oder beide Augen betreffen. Mit Augenpflastern, speziellen Übungen oder einer Operation kann Amblyopie gut behandelt werden.

 

Bei einem trägen Auge ist die Entwicklung der Sehkraft gestört. Das Auge kann selbst mit Korrekturhilfen wie einer Brille oder Kontaktlinsen keine normale Sehstärke erlangen. Schwachsichtigkeit entwickelt sich typischerweise im Säuglingsalter und in den ersten Lebensjahren.

In den meisten Fällen ist nur ein Auge betroffen, doch manchmal kann die Amblyopie auch bei beiden Augen auftreten. Wenn das träge Auge früh entdeckt und entsprechend behandelt wird, kann eine dauerhafte Sehschwäche verhindert werden. Unbehandelt droht bei Amblyopie jedoch der Verlust der Sehkraft auf dem betroffenen Auge.

Schätzungen zufolge sind etwa 6 Prozent der Kinder und 5,6 Prozent der Erwachsenen in Deutschland von Amblyopie betroffen.

Amblyopie – Symptome und Anzeichen

Da Amblyopie typischerweise im Säuglingsalter auftritt, sind die Symptome manchmal schwer zu erkennen. Eine typische Ursache für Schwachsichtigkeit ist eine Fehlstellung der Augen – der sogenannte Strabismus (Schielen). Sobald du feststellst, dass dein Kind schielt oder eine andere, deutlich sichtbare Fehlstellung der Augen hat, solltest du einen Termin bei einem Augenarzt (der im Optimalfall auf Kinder spezialisiert ist) vereinbaren.

Wie stelle ich fest, dass mein Kind an Amblyopie leidet?

Um zu testen, ob dein Kind an Amblyopie leidet, kannst du einen einfachen Test aus dem Amblyopiescreening zu Hause durchführen: Verdecke jeweils ein Auge deines Kindes, während es gerade aktiv auf etwas blickt, zum Beispiel beim Fernsehen. Wenn dein Kind vom Abdecken eines Auges nicht weiter gestört wird, aber beim anderen Auge deutlich negativ reagiert , könnte das bedeuten, dass du das „gute“ Auge abgedeckt hast und dass das andere Auge schwachsichtig ist und deshalb nur verschwommene Bilder liefert.

Doch so ein simples Amblyopiescreening ist natürlich kein Ersatz für eine eingehende Augenuntersuchung beim Facharzt. Die erste Augenuntersuchung wird für Kinder übrigens im Alter von etwa 6 Monaten empfohlen. Diese Untersuchung soll sicherstellen, dass sich das Sehvermögen normal entwickelt und beide Augen gut zusammenarbeiten.

Was sind die Ursachen der Schwachsichtigkeit?

Es gibt drei verschiedene Typen von Amblyopie, die nach ihrer grundlegenden Ursache unterschieden werden:

  • Strabismusamblyopie. Strabismus (Schielen) ist die am weitesten verbreitete Ursache für ein träges Auge. Um die Doppelbilder zu vermeiden, die aufgrund der Augenfehlstellung entstehen, ignoriert das Gehirn die visuellen Informationen des fehlgestellten Auges, was zur Schwachsichtigkeit beim trägen Auge führt. Diese Art der Amblyopie wird auch Schielamblyopie genannt.
  • Refraktionsamblyopie. Manchmal ist ein träges Auge das Ergebnis von sehr unterschiedlich ausgeprägten Brechungsfehlern in beiden Augen, die nichts mit der eigentlichen Augenstellung zu tun haben. Zum Beispiel kann nur ein Auge stark kurz- oder weitsichtig oder von einer Hornhautverkrümmung betroffen sein, während das andere Auge weniger stark betroffen oder sogar völlig gesund ist. In diesem Fall verlässt sich das Gehirn auf das gesunde Auge und blendet die verschwommene Sicht des anderen Auges aus. Dieses Auge entwickelt leichter eine Amblyopie, weil es „nicht gebraucht“ wird. Die Schwachsichtigkeit heißt dann Refraktionsamblyopie (oder anisometropische Amblyopie).
  • Deprivationsamblyopie. Diese Schwachsichtigkeit tritt auf, wenn Lichteinfall und -bündelung im Auge des Kleinkinds aufgrund einer anderen Augenkrankheit, wie zum Beispiel dem angeborenen Grauen Star, verhindert werden. Für die normale Entwicklung der Sehkraft ist eine sofortige Behandlung bzw. Operation des Grauen Stars notwendig.

Die Amblyopiebehandlung

In einigen Fällen der Refraktionsamblyopie (ein träges Auge infolge von ungleichen Brechungsfehlern), kann die normale Sehschärfe ganz einfach wieder hergestellt werden, indem die Brechungsfehler beider Augen mit einer Brille oder Kontaktlinsen korrigiert werden. Dennoch ist für eine gewisse Zeit das Abdecken des „guten“ Auges notwendig, damit das Gehirn die visuellen Informationen des trägen Auges gezwungenermaßen wahrnimmt. Erst dadurch kann sich die Sehkraft auch bei diesem Auge normal entwickeln.

Die Behandlung der Schiel- bzw. Strabismusamblyopie erfordert oftmals eine Operation, um die Augen in eine normale Stellung zu bringen. Anschließend werden ein Augenpflaster auf dem stärkeren Auge und eine Sehtherapie (bestimmte Übungen für das träge Auge) dazu eingesetzt, dass beide Augen effektiv zusammenarbeiten.

Über mehrere Wochen oder Monate kann das Tragen eines Augenpflasters für einige Stunden pro Tag oder sogar den gesamten Tag nötig sein. Auf diese Weise wird das Gehirn dazu gebracht, das träge Auge normal zu gebrauchen.

Wenn dein Kind das Augenpflaster immer wieder herunterreißt, gibt es die Möglichkeit, eine spezielle Kontaktlinse einzusetzen, die den Lichteinfall in das gesunde Auge verhindert. Im Vergleich zu einfachen Augenpflastern sind diese Linsen natürlich kostspielig und erfordern eine fachgerechte Kontaktlinsenanpassung. Doch besonders in schwierigen Fällen der Amblyopiebehandlung, z.B. wenn Augenpflaster keine zufriedenstellende Verbesserung bringen, können sie sehr wirksam sein.

Operation des trägen Auges

In vielen Fällen der Schielamblyopie muss zunächst eine Operation zur Korrektur der Augenstellung erfolgen, bevor Augenpflaster, Atropintropfen oder andere Therapieformen erfolgreich eingesetzt werden können. Deshalb ist die Bezeichnung „Operation des trägen Auges“ streng genommen falsch. Die richtige Bezeichnung für den Eingriff ist Schiel- bzw. Augenmuskeloperation.

Außerdem werden in einigen Fällen – zusätzlich zur Operation – spezielle Brillen mit Prismengläsern eingesetzt, um die Augen nach der Operation aufeinander einzuspielen. Nur dann ist die effektive Behandlung des trägen Auges möglich.

Die Früherkennung der Schwachsichtigkeit ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung. Gehe mit deinen Kindern im Alter von 6 Monaten und 3 Jahren zu den Routineuntersuchungen beim Augenarzt, um eine Sehschwäche aufgrund von Amblyopie zu verhindern.

Keine Sorge – Ponysträhnen sind keine Ursache für Amblyopie

Vielleicht hast du gelesen, dass lange Ponyfransen über einem oder beiden Augen Probleme beim Sehen und auf lange Sicht sogar ein träges Auge verursachen können. Das ist ein Mythos.

Zugegeben, in gewissem Maße ist es möglich, dass Haarsträhnen im Gesicht ein träges Auge begünstigen. Allerdings nur, wenn:

  • das Kind noch sehr klein ist und sich Augen und Sehfähigkeit noch entwickeln.
  • ein Auge so sehr bedeckt ist, dass das Kind überhaupt kein klares Bild erkennen kann.
  • die Haare das Auge ständig bedecken.