Kann Kurzsichtigkeit in Blindheit münden?

 

Wer kurzsichtig ist, muss keine Sorge haben, zwangsläufig zu erblinden. Nur bei stärkerer Kurzsichtigkeit sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen auch deshalb ratsam, weil eine pathologische Myopie frühzeitig erkannt werden kann. Schlimmstenfalls führt Letztere zu einer Netzhautablösung und damit sogar zu einer Blindheit.

 

Nur unter bestimmten Umständen kann sich Kurzsichtigkeit (Myopie) zu einer schweren Sehbehinderung entwickeln und dann sogar bis zu Blindheit führen. Das kommt jedoch sehr selten vor und tritt vor allem dann auf, wenn eine ohnehin schon starke Kurzsichtigkeit bis zu einem Stadium fortschreitet, das als degenerative Myopie oder auch pathologische Myopie bezeichnet wird, die wiederum nicht rechtzeitig diagnostiziert wird.

Kurzsichtigkeit wird von einem zu länglich geformten Augapfel oder einem Brechungsfehler der Linse hervorgerufen. Dadurch wird das in das Auge eintretende Licht bereits vor der lichtempfindlichen Netzhaut auf der Rückseite des Auges und nicht direkt auf der Netzhaut fokussiert. Das Ergebnis ist eine verschwommene Fernsicht, obwohl die Nahsicht unbeeinträchtigt ist.

Die Sehschwäche kann durch Korrekturlinsen in Form einer Brille bzw. von Kontaktlinsen oder ggf. durch eine Laser-Operation vollständig korrigiert werden. Die oft gestellte Frage „Ab wie viel Dioptrien ist man blind?“ ist somit keine sinnvolle Frage, denn die Dioptrienzahl einer Sehhilfe – und sei sie auch noch so hoch – führt ja gerade dazu, dass der Betroffene alles andere als blind ist, sondern eine mehr oder minder hohe Sehqualität genießen kann.

Für die Frage, ab wann jemand als blind gilt, ist tatsächlich seine Sehstärke entscheidend. Als blind gilt man in Deutschland dann, wenn auch mit optimaler Korrektur höchstens 2 Prozent an Sehvermögen erreicht werden. Eine ganz andere Frage besteht darin, ob eine kurzsichtige Person ein erhöhtes Risiko hat zu erblinden. Die Antwort lautet: In der Regel ist zumindest bei einer leichten Kurzsichtigkeit nicht von einem erhöhten Risiko für schwere Sehstörungen auszugehen.

Sonderfall: degenerative Myopie

Wird allerdings eine stark ausgeprägte Kurzsichtigkeit von einem länglich geformten Augapfel verursacht, kann unter Umständen auch das seltene Krankheitsbild einer degenerativen Myopie eintreten. Dabei handelt es sich um eine besonders starke Kurzsichtigkeit, die in einer Netzhautablösung münden kann. Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass mehr als die Hälfte aller Netzhautablösungen mit Kurzsichtigkeit und nicht etwa mit einem Trauma (wie einer von außen beigebrachten Verletzung) in Zusammenhang steht.

Bei der degenerativen (oder auch: pathologischen) Myopie passiert Folgendes: Der Augapfel verformt sich kontinuierlich und wird stetig länglicher. Dadurch erhöhen sich auch die Zugkräfte, die auf die Netzhaut wirken. Wird diese Entwicklung nicht rechtzeitig erkannt und verlangsamt, droht die Gefahr, dass in der schließlich extrem dünn gespannten Netzhaut ein Riss bzw. Loch entsteht. Darüber dringt so lange Flüssigkeit aus dem Glaskörper ein, bis der Druck derart angewachsen ist, dass sich die Netzhaut von der Aderhaut trennt.

Symptome, die ein Betroffener bei solch einer Netzhautablösung wahrnimmt, sind Lichtblitze, Schwebekörper, verschwommenes Sehen und ein Schatten über dem Gesichtsfeld. Eine Netzhautablösung, die man fachsprachlich als Ablatio retinae oder Amotio retinae bezeichnet, ist ein schwerwiegender Notfall, der zum Verlust der Sehkraft führen kann und deshalb so schnell wie möglich behandelt werden muss.

Regelmäßige Routineuntersuchungen zur Kontrolle des von Myopie betroffenen Auges sind die beste Vorsorge. So kann das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit frühzeitig entdeckt und verlangsamt werden. Damit lässt sich das Risiko gefährlicher Komplikationen, die letztendlich zur Blindheit führen können, deutlich verringern.

Wenn deine letzte Augenuntersuchung länger als ein Jahr zurückliegt, vereinbare am besten noch heute einen Termin zur Kontrolluntersuchung.