Welche Augenkrankheiten gibt es?

 

Die Augen gehören zu den wichtigsten Sinnesorganen. Eine Augenkrankheit sollte daher frühzeitig erkannt und behandelt werden. Zu den häufigsten Augenerkrankungen zählen beispielsweise die altersbedingte Makuladegeneration, Grüner Star und diabetische Retinopathie. Hier erhältst du einen Überblick darüber, welche Augenkrankheiten es gibt.

 

Die Augen gehören mit Abstand zu unseren wichtigsten Sinnesorganen: Die wenigsten Menschen können sich vorstellen, ohne ihren Sehsinn auskommen zu müssen. Neben Fehlsichtigkeiten wie einer Hornhautverkrümmung, Kurz-, Weit- oder Alterssichtigkeit, die sich allesamt mit einer Sehhilfe beheben lassen, gibt es auch verschiedene Augenkrankheiten. Einige sind völlig ungefährlich, andere können die Sehfähigkeit dauerhaft einschränken oder bei ungünstigem Verlauf sogar zur Erblindung führen. Im Zweifel solltest du deshalb bei Augenbeschwerden immer einen Augenarzt aufsuchen. Hier erfährst du, welche Augenkrankheiten beim Menschen am häufigsten vorkommen und wie sie behandelt werden müssen.

Innere Augenerkrankungen

Augenerkrankungen können in verschiedenen Bereichen des Auges auftreten. Die inneren Augenkrankheiten betreffen beispielsweise die Netzhaut, die Farbrezeptoren, den Sehnerv oder die Makula, also den Bereich des schärfsten Sehens. Zu den häufigsten Erkrankungen zählen hier die altersbedingte Makuladegeneration, der Grüne Star oder auch die diabetische Retinopathie.

Altersbedingte Makuladegeneration

Die altersbedingte Makuladegeneration ist die häufigste Augenkrankheit in Deutschland – über sieben Millionen Menschen sind davon betroffen. Bei dieser Erkrankung, die ab einem Alter von 50 Jahren auftreten kann, verschlechtert sich die Sehfähigkeit ganz allmählich. Im Bereich der Makula, auch gelber Fleck genannt, sterben immer mehr Sehzellen ab. Da sie der Punkt ist, an dem wir am schärfsten sehen, ist das Blickfeld vor allem in der Mitte eingeschränkt. Die Betroffenen erkennen ihre Umgebung nur noch verschwommen. Am Rand des Blickfeldes ist die Sicht dagegen meist klar.

Die Augenerkrankung durchläuft zwei Stadien: zuerst die trockene, dann die feuchte Makuladegeneration, zu der es aber nur in 10 Prozent der Fälle kommt. Eine Heilungsmöglichkeit gibt es nicht. Der Verlauf kann jedoch verlangsamt werden – beispielsweise durch eine Ernährungsumstellung oder Medikamente.

Augenkrebs

Augenkrebs ist eine recht seltene Erkrankung des Auges. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 400 bis 500 Menschen neu daran. Der Krebs kann an verschiedenen Stellen auftreten – am häufigsten ist das Aderhautmelanom, das Doppelbilder, Seh- und Pigmentstörungen auslösen kann. Bei Kindern tritt außerdem oft das Retinoblastom auf, das die Netzhaut betrifft. Die Behandlungsmöglichkeiten richten sich nach Art und Größe des Tumors. Je früher er erkannt und therapiert wird, desto besser.

Netzhautablösung

Die Netzhautablösung betrifft jährlich etwa 8.000 Menschen in Deutschland. Diese Augenkrankheit muss schnellstmöglich behandelt werden, um die Sehfähigkeit zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Löst sich die Netzhaut von der Aderhaut ab, können die Sehzellen nicht mehr richtig mit Nährstoffen versorgt werden und sterben ab.

Die Ablösung kann verschiedene Ursachen haben, wie Entzündungen, Risse in der Netzhaut oder auch nach einer Operation am Auge auftreten. Sie äußert sich zunächst durch Lichtblitze, die auch bei geschlossenen Augen erscheinen. Außerdem sehen Betroffene oft schwarze Punkte vor den Augen tanzen. Legt sich ein dunkler Schatten oder Schleier über das Sichtfeld, ist besonders schnelles Handeln angesagt: Die Netzhaut hat sich dann bereits gänzlich abgelöst. Zur Behandlung wird meist eine Lasertherapie angewandt. In fortgeschrittenem Stadium ist eine Augen-OP notwendig.

Keratokonus

Als Keratokonus wird eine Augenerkrankung bezeichnet, die vor allem bei jüngeren Menschen zwischen 20 und 30 Jahren auftritt. Dabei verformt sich die Hornhaut kegelförmig und wird mit der Zeit immer dünner. So ergeben sich starke Fehlsichtigkeiten und verschwommenes oder verzerrtes Sehen sowie eine erhöhte Blendeempfindlichkeit. Eine Brille hilft dagegen nicht mehr, doch es gibt vielfältige andere Behandlungsmöglichkeiten wie etwa spezielle Kontaktlinsen. In manchen Fällen ist auch eine Hornhauttransplantation nötig. Die Krankheit tritt bei etwa 0,5 % der Deutschen auf und betrifft besonders häufig Menschen mit Trisomie 21.

Grauer Star

Beim grauen Star, auch Katarakt genannt, wird die Augenlinse trübe. Betroffene sehen wie durch einen Schleier oder Nebel, der im Verlauf immer dichter zu werden scheint. Das verschlechtert die Sicht und schränkt das dreidimensionale Sehen sowie die Wahrnehmung von Farben und Kontrasten ein. Der Graue Star tritt meist erst im hohen Alter auf. Etwa 90 Prozent der 65–75-Jährigen leiden unter der Augenkrankheit. Sie ist jedoch operativ sehr gut therapierbar. Unbehandelt kann Grauer Star zur Erblindung führen. Wer Symptome feststellt, sollte also schnell zum Augenarzt.

Glaskörpertrübung

Eine Glaskörpertrübung erlebt fast jeder Mensch im Alter. Sie ist eine Folge des altersbedingten Schrumpfens des Glaskörpers. Dieser löst sich so von der Netzhaut, wodurch Betroffene die Kollagenfasern ihres Augapfels sehen können. Sie erscheinen als kleine schwarze Fäden oder Punkte. Deshalb wird die Augenerkrankung auch als Mouches volantes bezeichnet, was übersetzt „fliegende Mücken“ bedeutet. Eine Behandlung dieses Phänomens ist in der Regel nicht notwendig.

Grüner Star

Der Grüne Star, auch Glaukom genannt, ist eine der häufigsten Krankheiten des Auges weltweit. In Deutschland sind etwa 970.000 Menschen betroffen. Die Erkrankung entsteht meist durch einen zu hohen Augeninnendruck. Dadurch wird der Sehnerv geschädigt und es kommt zu irreparablen Sehstörungen. Zunächst bemerken Betroffene oft gar nicht, dass ihre Sehfähigkeit abnimmt. In vielen Fällen ist die Krankheit bei der Diagnose auch schon weit fortgeschritten. Einmal entstandene Sehnervschädigungen lassen sich jedoch nicht wieder rückgängig machen. Deshalb sollten sich Menschen ab 40 Jahren regelmäßig einer Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt unterziehen.

Gesichtsfeldausfall

Ein Gesichtsfeldausfall, in der Fachsprache „Skotom“, kann Symptom verschiedener Augenerkrankungen sein – beispielsweise des Grünen oder Grauen Stars oder der altersbedingten Makuladegeneration. Wer ein Skotom hat, kann an einer bestimmten Stelle des Sichtfeldes nur noch verschwommen oder gar nicht mehr sehen. Um das Phänomen zu behandeln, muss die Ursache therapiert werden.

Diabetische Retinopathie

Die diabetische Retinopathie ist in Deutschland die zweithäufigste Augenkrankheit. Betroffen sind über 1,2 Millionen Menschen bzw. 21,7 Prozent der Diabeteserkrankten. Bei ihnen sind die Blutgefäße der Netzhaut beschädigt. Das führt dazu, dass sie verschiedengroße dunkle Flecken in ihrem Gesichtsfeld sehen, die die Sehfähigkeit stark beeinträchtigen. Unbehandelt führt die Erkrankung zur Erblindung. Sie kann jedoch medikamentös oder per Lasertherapie aufgehalten werden.

Äußere Augenkrankheiten

Im sichtbaren und äußeren Bereich des Auges können ebenfalls verschiedene Augenerkrankungen auftreten. Betroffen sind hier beispielsweise die empfindliche Bindehaut oder die Augenlider. Das zeigt sich in vielen Fällen durch gerötete oder blutunterlaufene Augen. Das sieht auf den ersten Blick unheimlich aus, ist aber meist ungefährlich und gut zu behandeln.

Bindehautentzündung

Die Bindehautentzündung, auch Konjunktivitis, gehört zu den häufigsten Erkrankungen am Auge überhaupt: Fast jeder Mensch hat sie schon einmal gehabt. Die Ursachen sind vielfältig. Wird eine Konjunktivitis durch Bakterien oder Viren ausgelöst, ist sie ansteckend. Virale Bindehautentzündungen heilen meist von selbst ab, während eine bakterielle Konjunktivitis augenärztlich behandelt werden sollte. Weit verbreitet ist auch die allergische Bindehautentzündung, die beispielsweise durch Blütenpollen ausgelöst wird. Sie lässt sich mit Augentropfen oder Antihistaminika behandeln.

Gerstenkorn

Auch Gerstenkörner treten sehr häufig und in jedem Alter auf. Die pickelähnlichen Knötchen bilden sich am inneren oder äußeren Lidrand. Da es sich um eine virale oder bakterielle Entzündung handelt, ist das Gerstenkorn oft ansteckend. Es entsteht bei einem geschwächten Immunsystem oder während einer Erkältung. Geht es dir wieder besser, heilt es in der Regel von selbst ab.

Geschwollene Augenlider

Bei verschiedensten Augenkrankheiten kommt es vor, dass Betroffene unter geschwollenen Augenlidern leiden. Zu den vielfältigen Ursachen zählen:

  • Allergien
  • Infektionen des Auges
  • kleine Verletzungen
  • Reizungen durch Kontaktlinsen
  • Augenherpes

 

Gegen die Schwellung hilft zum Beispiel Kühlen. Außerdem solltest du auf das Tragen von Make-up und Kontaktlinsen verzichten. Um die Ursache herauszufinden und behandeln zu können, sollte ein Besuch beim Augenarzt erfolgen.

Milien

Milien sind eine ungefährliche Augenerkrankung, die besonders häufig bei Babys vorkommt – jedes zweite ist hiervon betroffen. Unter den Erwachsenen bekommen vor allem junge Frauen oft Milien. Die kleinen gelblich weißen Knötchen bilden sich an den Augenlidern sowie um Augen, Wangen, Kinn und Nase herum. Oft verschwinden sie von selbst wieder. Wer sich an ihnen stört, kann sie jedoch auch vom Augen- oder Hautarzt entfernen lassen.

Brennende Augen

Juckende, brennende Augen können verschiedene Ursachen haben. Oft sind sie auf eine allergische Reaktion zurückzuführen, entstehen durch zu trockene Raumluft oder lange Bildschirmarbeit. Manchmal ist das Brennen aber auch Symptom einer behandlungsbedürftigen Augenkrankheit wie Entzündungen, verstopfte Talgdrüsen oder einer Netzhautablösung. Treten also weitere Symptome auf oder hören die Augen nicht auf zu brennen, solltest du unbedingt zum Augenarzt gehen.

Trachom

Das Trachom ist eine in Industrieländern seltene Erkrankung des Auges, die durch bestimmte Bakterien namens Chlamydia trachomatis ausgelöst wird. Kleinkinder zwischen drei und sechs Jahren sind weitaus häufiger betroffen als Erwachsene, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet ist. Weltweit betrifft die Krankheit rund 500 Millionen Menschen. Sie äußert sich durch die Bildung vieler kleiner Lymphknötchen auf der Bindehaut, die zu einer Vernarbung dieser führen. Zudem wendet sich das Augenlid nach innen und beschädigt dort durch die Wimpern die Hornhaut, was Sehstörungen zur Folge hat. Ein Trachom kann unbehandelt zur Erblindung führen. Es ist jedoch mit Antibiotika gut therapierbar.

Subkonjunktivale Blutung

Unter der Bindehaut befinden sich viele kleine Blutgefäße. Diese können bei Druck reißen, zum Beispiel, wenn du heftig hustest oder niest. Dann tritt Blut aus und im Auge erscheint ein hellroter Fleck – eine subkonjunktivale Blutung. Nach ein bis zwei Wochen verschwindet diese in der Regel von selbst. Treten jedoch Sehstörungen auf, könnte es sich um eine Blutung im Glaskörper handeln. Diese ist gefährlich und sollte augenärztlich behandelt werden.

Lidmuskelzucken

Ein Zucken der Lidmuskulatur wird auch als Myokymie bezeichnet. Es ist in den meisten Fällen harmlos und entsteht beispielsweise durch Stress, Ermüdung, Koffein- oder Alkoholkonsum sowie Allergien und Nährstoffmängeln. Das Zucken hält in der Regel nur wenige Sekunden oder ein paar Minuten an. Dauert es längere Zeit, zum Beispiel mehrere Tage, kann eine ernsthafte neurologische Augenkrankheit dahinterstecken. Ein Besuch beim Augenarzt ist dann dringend ratsam.

Augengrippe

Bei der Augengrippe handelt es sich um eine hochansteckende, meldepflichtige Augenerkrankung. Sie wird von Adenoviren ausgelöst und äußert sich zunächst ähnlich wie eine Bindehautentzündung. Später können jedoch auch eitrige Entzündungen, geschwollene Lymphknoten an den Ohren oder Sehstörungen auftreten. Gegen die Augengrippe bekommst du vom Augenarzt antivirale Augentropfen, die die Beschwerden lindern. Nach zwei bis vier Wochen heilt die Krankheit in der Regel von selbst aus.

Augenkrankheiten im Zweifel behandeln lassen

Du siehst, dass die menschlichen Augen auf vielfältige Art und Weise und durch verschiedene Gründe erkranken können. Viele der gängigen Augenkrankheiten sind meist harmlos oder lassen sich durch die Anfertigung einer passenden Sehhilfe oder durch eine augenärztliche Therapie gut behandeln.

Für alle Augenerkrankungen gilt jedoch gleichermaßen: Bist du nicht sicher, ob und welche Augenerkrankungen bei dir vorliegen und zeigen sich die Symptome akut oder länger andauernd, solltest du in jedem Fall so schnell wie möglich eine Augenärztin aufsuchen.