Rot-Grün-Schwäche: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

 

Eine Rot-Grün-Schwäche äußert sich darin, dass die Betroffenen die Farben Rot und Grün nicht so deutlich erkennen und unterscheiden können wie Normalsichtige. Diese Farbenfehlsichtigkeit ist abzugrenzen von der Farbenblindheit, bei der gar keine Farben mehr gesehen werden.

 

Die Rot-Grün-Schwäche ist eine Form der Farbenfehlsichtigkeit. Betroffene können die Farben Rot und Grün weniger gut wahrnehmen als Normalsichtige, wodurch es im Alltag zu Verwechslungen kommen kann. Die Ursache der Rot-Grün-Schwäche liegt meist darin, dass die Zapfen im Auge fehlen, nicht richtig arbeiten oder aufgrund einer Krankheit beschädigt wurden.

Oft sagen wir umgangssprachlich „farbenblind“, wenn wir eine Rot-Grün-Schwäche meinen. Menschen mit einer tatsächlichen Farbenblindheit können jedoch gar keine Farben wahrnehmen und sehen nur Grau-Schattierungen, während die Rot-Grün-Schwäche „nur“ eine Farbenfehlsichtigkeit darstellt. Das bedeutet, dass Menschen mit einer Rot-Grün-Schwäche selbst die Farben Rot und Grün noch sehen, jedoch weniger klar voneinander unterscheiden können als Normalsichtige.

Die Rot-Grün-Schwäche ist nicht die einzige Farbenfehlsichtigkeit. Bisweilen tritt auch die Blau-Gelb-Schwäche auf, die sich auf ähnliche Weise äußert. Die Rot-Grün-Schwäche ist jedoch die häufigere Störung der Farbwahrnehmung. Sie betrifft etwa 9 % aller Männer und weniger als 1 % der Frauen.

Wie sehen Menschen mit Rot-Grün-Schwäche?

Manche Menschen, die von einer Rot-Grün-Schwäche betroffen sind, bemerken diese nicht einmal: Sie sind so gewöhnt an ihre Art zu sehen, dass ihnen die Störung gar nicht auffällt. Ist die Rot-Grün-Schwäche ausgeprägter, wird sie meist schon im Kindesalter erkannt, weil das Kind beispielsweise beim Malen die Stifte verwechselt oder die Farben der Ampel nicht auseinanderhalten kann: Die Farben Rot und Grün werden nicht deutlich erkannt.

Die Rot-Grün-Schwäche besteht eigentlich aus zwei verschiedenen Störungen, der Rotschwäche (Protanopie) und der Grün-Schwäche (Deuteranopie), die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Die Störung betrifft nicht nur die „reinen“ Farben Rot und Grün, sondern auch alle Farben, die Rot- oder Grünanteile enthalten, zum Beispiel Violett oder Türkis.

Um normalsichtigen Menschen deutlich zu machen, wie man mit Rot-Grün-Schwäche sieht, hat die britische Organisation Colour Blind Awareness ein Projekt geschaffen, das die Auswirkungen anhand von Bildern zeigt. Der englische Begriff „Colour Blindness“ ist allerdings verwirrend, da es tatsächlich nicht darum geht, wie Farbenblinde die Welt sehen – diese Bilder würden dann, wie oben erwähnt, nur graue Schattierungen zeigen. Gezeigt wird die Wahrnehmung Farbenfehlsichtiger.

Wie entsteht Farbenfehlsichtigkeit?

Die Ursachen der Rot-Grün-Schwäche können angeboren sein oder erst im Laufe des Lebens entstehen.

Farbenfehlsichtigkeit tritt auf, wenn die lichtempfindlichen Sinneszellen der Netzhaut (Retina) nicht auf alle Wellenlängen des einfallenden Lichts gleichermaßen reagieren. Die Sinneszellen unterteilen sich in die lichtempfindlichen Stäbchen und die Zapfen, wobei letztere für die Farbwahrnehmung zuständig sind. Die höchste Konzentration dieser Sinneszellen befindet sich am Punkt des schärfsten Sehens, der Makula.

Die erblichen Formen der Farbenfehlsichtigkeit hängen meistens damit zusammen, dass bestimmte Zapfentypen nicht richtig arbeiten oder sogar vollständig fehlen. So sind es bei der Rot-Grün-Schwäche die L-Zapfen (für langwelliges Licht) und die M-Zapfen (für mittelwelliges Licht), die den Betroffenen fehlen. Abgesehen von der genetischen Veranlagung kommen noch weitere Ursachen für eine Rot-Grün-Schwäche infrage:

  • Morbus Parkinson: Da es sich bei Parkinson um eine Erkrankung der Nervenzellen handelt, kann diese auch die lichtempfindlichen Sinneszellen der Retina betreffen. Die Zellen werden beschädigt und können ihre ursprüngliche Funktion nicht mehr erfüllen.
  • Grauer Star (Katarakt): Aufgrund der Linsentrübung beim Grauen Star wird der Lichteinfall auf die Netzhaut deutlich reduziert und Farben können nur noch verwaschen wahrgenommen werden. Nach einer Katarakt-Operation ist die Farbwahrnehmung allerdings wieder völlig normal.
  • Lebersche Optikusatrophie (LHON): Bei der schwersten Form dieser erblichen Krankheit wird der Sehnerv zerstört. Bei leichteren Verläufen kann eine Farbenfehlsichtigkeit auftreten, ohne dass die Betroffenen weitere Symptome haben. Die Rot-Grün-Sehschwäche hängt in den meisten Fällen mit dem Gendefekt zusammen, der diese Krankheit auslösen kann.
  • Kallmann-Syndrom (KS): Eine Farbenfehlsichtigkeit kann ein Symptom dieser Erbkrankheit sein, die sich hauptsächlich durch einen Defekt der Hirnanhangdrüse bemerkbar macht.

 

Abgesehen von diesen sehr konkreten Ursachen kann eine Rot-Grün-Schwäche auch aufgrund von Alterungsprozessen der Retina oder als Folge schwerer Kopfverletzungen auftreten.

So kannst du eine Rot-Grün-Schwäche erkennen

Eine Rot-Grün-Schwäche lässt sich mithilfe eines Farbsehtests leicht aufdecken. In der Regel musst du bei diesem Test Zahlen auf farbigem Hintergrund erkennen. Erkennst du die Zahl auf der Farbtafel nicht, könnte dies auf eine Farbenfehlsichtigkeit hinweisen.

Falls du früher alle Farben richtig sehen konntest, aber jetzt zunehmend Probleme bei der Farberkennung hast, solltest du schnellstmöglich einen Termin beim Augenarzt machen. Ein plötzlicher oder auch schleichender Verlust der Farbwahrnehmung kann ein Symptom für ernstzunehmende Augenkrankheiten wie zum Beispiel den Grauen Star sein.

Mit einem Farbsehtest kann eine Rot-Grün-Schwäche schnell aufgedeckt werden. Erkennt man die Zahl auf der Farbtafel nicht, könnte dies auf eine Farbenfehlsichtigkeit hinweisen.

Wie wird eine Rot-Grün-Schwäche behandelt?

Eine Rot-Grün-Schwäche ist zum derzeitigen Zeitpunkt nicht heilbar. Mittlerweile gibt es jedoch spezielle Brillen, die bestimmte Wellenlängen des Lichts herausfiltern, um die Unterscheidung der Farben zu erleichtern. Dennoch können Menschen mit Rot-Grün-Schwäche auch mit solchen Sehhilfen nicht wie Normalsichtige sehen, und nicht jeder nimmt mit den Brillen eine Verbesserung wahr.

Eine Behandlung kann also nur insofern erfolgen, als Betroffene durch Training und mithilfe von Symbolen oder auch akustischen Signalen lernen, in wichtigen Situationen (zum Beispiel im Straßenverkehr) die Farben zu unterscheiden.

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