Augenprothese – Vorteile, Pflege und Kosten des „Glasauges“

 

Der Verlust eines Auges macht in vielen Fällen den Einsatz einer Augenprothese, eines sogenannten „Glasauges“ erforderlich. Mithilfe eines künstlichen Auges kann die Augenhöhle vor weiteren Schäden bewahrt und die ästhetische Harmonie des Gesichts wiederhergestellt werden.

 

Columbo-Darsteller Peter Falk, TV-Moderator Frank Elstner, Schauspieler Hanno Friedrich – sie alle haben etwas gemeinsam: Die Prominenten tragen bzw. trugen alle ein sogenanntes „Glasauge“. Die Augenprothese ersetzt bei ihnen ein natürliches Auge, das durch Krankheit oder einen Unfall entfernt werden musste.

Augenprothesen sind Spezialanfertigungen. Sie werden von ausgebildeten Augenprothetikern hergestellt und an die individuelle Form der Augenhöhle sowie an die natürliche Irisfärbung des Patienten angepasst. Dadurch sehen Sie einem natürlichen Auge täuschend ähnlich. Mit modernen chirurgischen Techniken ist es heute sogar möglich, dass sich die Augenprothese bei Blickwinkeländerungen bis zu einem gewissen Grad mitbewegen kann. So fällt in vielen Fällen gar nicht auf, dass jemand ein Glasauge trägt.

Wann ist eine Augenprothese nötig?

Eine Augenprothese muss immer dann eingesetzt werden, wenn das natürliche Auge nach einem Unfall oder einer Erkrankung, wie etwa einem Tumor, entfernt werden muss. Nach der Operation setzt der Chirurg zunächst ein Provisorium in die Augenhöhle ein. Dieses soll während der Wundheilung zur Stabilisierung der Augenhöhle beitragen. Erst nachdem die Wunde vollständig ausgeheilt ist, kann die eigentliche Augenprothese getragen werden. Das ist in der Regel nach vier bis acht Wochen der Fall.

In der Regel tragen private und gesetzliche Krankenkassen die vollen Kosten für die Herstellung einer Augenprothese. Dabei erfüllt das künstliche Auge vor allem einen kosmetischen Zweck: Durch den Einsatz einer Augenprothese kann die Gesichtsästhetik wiederhergestellt werden. Die Sehfähigkeit hingegen bleibt nach dem Verlust eines Auges unwiederbringlich verloren

Glas oder Kunststoff – welches Material für die Augenprothese?

Augenprothesen werden in der Regel aus körperverträglichem Spezialglas (Kryolithglas) hergestellt. Die besonders glatte und dichte Oberfläche des pflegeleichten Glases ermöglicht, dass sich auch auf dem Glasauge ein durchgängiger Tränenfilm bildet. So kann das künstliche Auge angenehm und ohne ein Gefühl der Trockenheit in der Augenhöhle getragen werden. Der Nachteil von Glasaugen ist, dass sie sehr zerbrechlich sind, wenn beim Reinigen nicht behutsam vorgegangen wird.

In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, medizinischen Kunststoff (PMMA) anstelle von Glas zur Herstellung der Augenprothese zu verwenden. Dies ist unter anderem dann der Fall, wenn die Gefahr besteht, dass die Augenprothese beim Herausnehmen und Reinigen zerbricht, zum Beispiel bei Menschen mit einer Parkinsonerkrankung oder einer Greifbehinderung.

Augenprothesen aus Kunststoff können nachpoliert werden und besitzen eine längere Lebensdauer als Prothesen aus zerbrechlichem Glas. Ihr wesentlicher Nachteil gegenüber Glasprothesen besteht jedoch darin, dass sie sich schneller abnutzen und ihre Oberfläche deshalb alle sechs Monate nachpoliert werden muss. Zudem besteht bei Augenprothesen aus Kunststoff die Gefahr, dass es durch Kratzer in der Oberfläche zu Entzündungen in der Augenhöhle kommen kann.

Handhabung und Pflege der Augenprothese

Menschen, die eine Augenprothese tragen, sind dadurch in ihrem Alltag in der Regel kaum eingeschränkt. Damit das künstliche Auge seinen Zweck bestmöglich erfüllt, es nicht zu Entzündungen in der Augenhöhle kommt und das Glasauge möglichst lange genutzt werden kann, sollten jedoch einige Hinweise beachtet werden.

Augenprothese einsetzen und herausnehmen:

Um die Prothese einzusetzen, wird diese zunächst angefeuchtet. Ziehe das obere Augenlid anschließend leicht nach oben und schiebe die Augenprothese leicht unter das Oberlid. Gleichzeitig sollte das Unterlid leicht heruntergezogen werden, bis das künstliche Auge in die Augenhöhle hineingleitet.

Zum Herausnehmen des Glasauges ziehst du das Unterlid leicht nach unten, bis der Rand untere Rand der Prothese sichtbar wird. Mit einem Finger kannst du vorsichtig unter den Rand gleiten und das künstliche Auge fassen. Ziehe es anschließend nach unten weg aus der Augenhöhle heraus. Wie auch das Einsetzen, sollte das Herausnehmen über einer weichen Unterlage erfolgen, damit das Auge, sollte es dir aus der Hand rutschen, nicht zerbrechen oder zerkratzen kann.

Reinigung:

Mindestens einmal am Tag sollte die Augenprothese gründlich mit klarem, lauwarmem Wasser gereinigt werden. Solange das künstliche Auge nicht getragen wird, muss es trocken und in einem geschlossenen Behälter aufbewahrt werden.

Prothesenwechsel:

Jede Augenprothese unterliegt einer natürlichen Abnutzung. Daher sollte für Glasaugen einmal jährlich eine Neuanfertigung stattfinden. Die Reparatur eines zu Bruch gegangenen Glasauges ist nicht möglich. Augenprothesen aus Kunststoff müssen nach spätestens vier Jahren ersetzt werden, müssen jedoch alle sechs Monate durch einen Augenprothetiker nachpoliert werden.

Sport:

Sich sportlich zu betätigen und in die Sauna zu gehen ist für Menschen mit einem künstlichen Auge problemlos möglich. Beim Schwimmen sollte jedoch stets eine Schwimmbrille getragen werden, um die Augenprothese vor einer Beschädigung durch mögliche Wasserverschmutzungen und Chlor zu schützen.