Augenfarben – faszinierender Blick in die Seele?

 

Ausschlaggebend für die Augenfarbe ist die Melanin-Konzentration in der Iris. Je weniger Melanin-Pigmente vorhanden sind, umso heller sind die Augen. Ursprünglich hatten alle Menschen braune Augen, bis infolge einer Genmutation zum ersten Mal blaue Augen entstanden.

 

Die Augenfarbe eines Menschen gilt als eindeutiges Identifikationsmerkmal, denn Farbe und Muster der Iris sind bei jedem Menschen einzigartig. Bis heute hält sich die Überzeugung, dass man mit einem tiefen Blick in die Augen etwas über die Absichten eines Menschen erfahren kann. Dabei gilt auch die Augenfarbe als ausschlaggebendes Element. Während eine Person mit blauen Augen eher als kühl und berechnend eingestuft wird, deuten braune Augen auf einen treuherzigen und vertrauenswürdigen Menschen hin. Doch ist an dieser Einschätzung wirklich etwas dran oder handelt es sich nur um hartnäckige Klischees? Warum gibt es überhaupt verschiedene Augenfarben und wie entstehen sie? Ist es tatsächlich möglich, dass sie bestimmte Charakterzüge widerspiegeln? Diesen Fragen geht der folgende Text auf den Grund.

So entstehen die verschiedenen Augenfarben

Die Frage nach der Entstehung der menschlichen Augenfarben hängt eng mit einer anderen Frage zusammen: Warum gibt es eigentlich verschiedene Augenfarben beim menschlichen Auge? In der Tierwelt ist das ziemlich einmalig. Zwar gibt es Wildtiere, deren Augenfarbe sich den äußeren Bedingungen anpassen kann, zum Beispiel zur Tarnung oder zur besseren Sicht bei der Jagd, doch dass die Grundfärbung der Augen bei einer Art unterschiedlich ist, kommt nur bei wenigen Nutztieren und in der Wildnis überhaupt nicht vor.

Tatsächlich hatten auch die Menschen vor langer Zeit lediglich eine Augenfarbe – nämlich braun – bis es zu einer Genmutation kam. Forscher schätzen, dass es vor etwa acht- bis zehntausend Jahren den ersten Menschen mit blauen Augen gab. Die Mutation betraf das Gen, welches über die Menge der Melanin-Pigmente bestimmt und damit indirekt nicht nur die Augenfarbe, sondern auch Haut- und Haarfarbe festlegt.

Melanine sind bräunliche Farbpigmente, die größtenteils erst nach der Geburt in der Pigmentschicht der Iris gebildet werden. Je mehr Melanin vorhanden ist, umso dunkler wird die Augenfarbe. Bei blauen Augen ist die Melanin-Konzentration am geringsten, bei braunen Augen am höchsten. Über die Menge der Farbpigmente entscheidet die genetische Veranlagung. Umstellungen im Hormonhaushalt des Körpers können zwar dazu führen, dass sich die Pigmentdichte auf der Iris ändert, doch das bewirkt nur eine leichte Veränderung der Farbschattierung. Die Veränderung der Grundfarbe ist ausgeschlossen.

Augenfarben und ihre Vererbung

Auf die Frage „Welche Augenfarben gibt es?“, lautet die Antwort üblicherweise: braun, blau, grün und grau. Das ist natürlich nur eine schematische Vereinfachung. In vielen Fällen sind mehrere Farben in unterschiedlichen Anteilen vorhanden. Das hängt damit zusammen, dass die Pigmentschicht der Iris nicht völlig gleichmäßig ist. An einigen Stellen wird mehr Melanin gebildet als an anderen, wodurch blau-graue, grau-grüne oder sogar blau-grau-grüne Augen entstehen, um nur einige Varianten zu nennen.

Das spielt auch eine Rolle, wenn es um die Augenfarbe und ihre Vererbung geht. Genau genommen wird also nicht die Farbe, sondern die genetische Information über die Stärke der Pigmentierung weitergegeben. Wie genau das funktioniert, ist bis heute nicht vollständig entschlüsselt. Als wissenschaftlich gesichert gelten die folgenden Erkenntnisse:

  • Nicht nur ein Gen, sondern mehrere bestimmen über Farbe, Ausprägung und Schattierungen der Iris.
  • Bei unterschiedlichen Erbanlagen bestimmt die dominante Ausprägung, welche Augenfarbe durch Vererbung weitergegeben wird.
  • Die Dominanz-Reihenfolge ist: braun, grün, blau, grau.
  • Die Genvarianten (Allele), die entscheidend für die Augenfarbe sind, haben kaum Einfluss auf Haar- und Hautfarbe; lediglich die Allele für blaue Augen und rote Haare bewirken eine hellere Hautfarbe.

 

Wie dominant eine Augenfarbe bei der Vererbung ist, hängt übrigens nicht zwingend mit der Verbreitung zusammen. Etwa 90 Prozent aller Menschen haben braune Augen, unabhängig von ihrer Hautfarbe. Allerdings sind grüne Augen am seltensten. Sie kommen bei weniger als 2 Prozent der Menschen vor.

Hat die Augenfarbe eine Bedeutung?

Bis zur Erfindung farbiger Kontaktlinsen galten die Augen als eines der wenigen körperlichen Merkmale, die sich nicht verändern lassen. Aus diesem Grund wurde ihnen seit jeher eine besondere Bedeutung bei der „Entschlüsselung“ einer Person zugesprochen. In früheren Zeiten war es eine gängige Praxis, von der Augenfarbe auf den Charakter zu schließen.

Der Zusammenhang zwischen Augenfarbe und Charakter beschäftigt Wissenschaftler bis heute, doch handfeste Beweise gibt es kaum. Bisher am weitesten sind Forscher der Universität Örebro in Schweden gekommen. Sie haben herausgefunden, dass eines der Gene, welches das Aussehen der Iris bestimmt, auch die Gehirnbereiche für Emotionen und Verhalten beeinflusst.

Viele Studien konnten allerdings beweisen, dass Augenfarben mit bestimmten Charaktereigenschaften assoziiert werden. Diese Zusammenhänge stammen aus längst vergangenen Zeiten und wurden teils über Jahrhunderte durch Geschichten, Sprichwörter und ähnliche Traditionen von einer Generation an die nächste weitergegeben.

Vor diesem Hintergrund kann man also durchaus fragen: Was sagt die Augenfarbe aus?

Menschen mit blauen Augen gelten als kühl, reserviert, zurückhaltend, mutig, bescheiden und willensstark. Besonders in der Literatur wurde blauen Augen viel Bedeutung „zugeschrieben“. Je nach Kulturkreis wurden sie als Merkmal starker, mutiger Kämpfer oder dämonischer, kaltblütiger Bösewichte gewählt.

Doch es gibt auch einige handfeste Fakten über blaue Augen:

    • Fast alle Babys mitteleuropäischer Abstammung werden mit blauen Augen geboren. Die Bildung von Melanin setzt erst im Laufe des ersten Lebensjahres ein. So kann es vorkommen, dass sich die endgültige Augenfarbe erst im fortgeschrittenen Kleinkindalter zeigt.
    • Bei blauen Augen besteht eine erhöhte Gefahr, an Augenkrankheiten wie Augenkrebs oder altersbedingter Makuladegeneration (AMD) zu erkranken, die durch gefährliche UV-Strahlung ausgelöst bzw. begünstigt werden.

 

Menschen mit grünen Augen werden meistens als geheimnisvoll, verführerisch, eifersüchtig, abenteuerlustig, intelligent und unberechenbar beschrieben. Eines der bekanntesten und gleichzeitig grausamsten Beispiele für einen willkürlichen Zusammenhang zwischen Augenfarbe und Charakter ist die Hexenverfolgung, bei der grünen Augen eine besondere Bedeutung zukam. Sie galten als ein Zeichen für magische Veranlagung und Verehrung des Teufels, aufgrund dessen alle grünäugigen Frauen unter Generalverdacht gestellt wurden.

Menschen mit braunen Augen werden als vertrauenswürdig, treu, fürsorglich, stark und optimistisch eingeschätzt. Besondere Aufmerksamkeit bekommen „Hazel Eyes“ - ein Phänomen, das mit der deutschen Übersetzung „haselnussbraune Augen“ nur ungenügend beschrieben wird. Es bedeutet, dass in der Iris grüne, braune und blaue Anteile so ausgeglichen enthalten sind, dass die Augenfarbe je nach Lichteinfall anders erscheint.