Smart Glasses: Sehhilfe für fast erblindete Menschen

Smart Glasses als Sehhilfe für Menschen mit Sehbehinderung

Google Glass und Virtual Reality – die Meinungen über solche Gadgets gehen auseinander. Brille24 klärt auf, inwiefern sich diese Technik als hilfreich für fast erblindete Menschen erweisen könnte.

Wann gilt man als sehbehindert?

Um festzustellen, wem die Smart Glasses im Idealfall helfen können, muss man zunächst verstehen, wann jemand als sehbehindert gilt. Wer trotz Brille auf dem stärkeren Auge eine Sehschärfe von nicht mehr als 30 Prozent aufweist, gilt als sehbehindert. Eine hochgradige Sehbehinderung besteht bei weniger als fünf Prozent. Als blind gilt, wer weniger als zwei Prozent mit dem besseren Auge sieht.

So unterstützen Smart Glasses Menschen mit Sehbehinderung

Die Forschung arbeitet an unterschiedlichen Smart Glasses für Menschen mit Sehbehinderung. Ein Großteil der Brillen richtet sich nicht an die vollständig Erblindeten, sondern an Menschen mit einer Sehschärfe zwischen zwei und dreißig Prozent.

Das Prinzip der Smart Glasses beruht auf durchsichtigen Displays in Brillenglasform und kleinen Kameras, die am Brillenrahmen angebracht werden. Ein kleiner Computer wird entweder in der Tasche mitgeführt oder ist ebenso direkt an den Rahmen der Brille angebracht. Auf dieser Computereinheit läuft eine Software, die die von der Kamera aufgenommene Umgebung in stark kontrastreiche Schwarz-Weiß-Bilder umwandelt und auf das Brillen-Display bringt. Die starken Kontraste werden von den meisten Sehbehinderten gut wahrgenommen, insbesondere Formen werden für die Betroffenen so deutlich. So erkennen sie, wo sich der nächste Stuhl befindet und ob sie beim Einkauf das richtige Objekt gegriffen haben. Auch Gesichter und Mimik können die Sehbehinderten so wahrnehmen. Selbst bei gedimmtem Licht sorgen Smart Glasses dafür, dass sich sehbehinderte Menschen in ihrer Umgebung zurechtfinden.

Auch Smart Glasses für komplett erblindete Menschen befinden sich in Entwicklung. Diese stehen Betroffenen mithilfe von Tönen zur Seite. Hier werden die Bilder in Tonsignale umgesetzt und mithilfe von Kopfhörern an den Blinden wiedergegeben. Das Prinzip beruht auf dem Echolot, wobei das Signal nicht vom Erblindeten, sondern von der Kamera und der Software ausgesendet wird. Unterschiedliche Tonhöhen und Lautstärken zeigen dem Erblindeten an, in welchem Teil eines Raumes er sich befindet. Mit ein wenig Training verbessert sich die Orientierung blinder Menschen damit massiv.

Noch befinden sich Smart Glasses für Sehbehinderte in der Entwicklungsphase. Einige Schwächen müssen noch ausgemerzt werden, beispielsweise ein zu hohes Gewicht und eine unhandliche Größe, damit die Brillen komfortabel zu tragen sind. Auch Software-Fehler müssen eliminiert werden. Dennoch ist es erstaunlich, was die neue Technik bereits heute zu leisten vermag – und welche Möglichkeiten die Zukunft bereithält.

Smart Glasses: Sehhilfe für fast erblindete Menschen
Datum: 15. September 2016
Kategorie: Brillentrends