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Die Geschichte der Brille


Die Brille vom Altertum bis zum frühen Mittelalter

Ob als lebensnotwendige Sehhilfe, vor Tageslicht schützende Sonnenbrille oder einfach nur als trendiges Accessoire: Brillen sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken! Die Entwicklung der Brille war eine der großen kulturellen Errungenschaften, ihre Herstellung in früherer Zeit ein Paradebeispiel großartiger Handwerkskunst. Die Geschichte der Brille ist aber noch vielfältiger. So ist sie vor allem mit der Historie der Schrift verbunden und somit natürlich auch mit der Wissenschaft.
Vor der Entstehung von Schrift und Druck waren Erzählungen die einzige Form, Wissen weiter zu geben und Geschichten, Neuigkeiten oder Nachrichten unter den Menschen zu verbreiten. Im Altertum begannen Gelehrte erstmals mit dem schriftlichen Aufzeichnen ihrer Theorien und ihrer Informationen. Rasch entwickelte sich eine Schriftkultur, die es ermöglichte, das angesammelte Wissen auch ohne die direkte Anwesenheit eines Vermittlers weiterzutragen und zudem in Bibliotheken zu speichern. Die Fähigkeit gut schreiben, aber vor allem auch gut lesen können, war in diesem Fall ein Muss. Und dafür wiederum bedurfte es stets einer ausreichend guten Sehkraft.

Von Sehhilfen ist aus dieser Zeit jedoch nichts bekannt. Wer nicht mehr in der Lage war, aufgrund nachlassender Sehkraft die Schriftzeichen selbst zu entziffern, der musste sich von einem Schüler, einem Bediensteten oder Sklaven vorlesen lassen. Über diesen Umstand beklagte sich unter anderem der römische Gelehrte, Politiker und Schriftsteller Cicero (*3. Januar 106 v. Chr.; 7. Dezember 43 v. Chr.). Zwar gab es bereits zu jener Zeit polierte oder mit Wasser gefüllte Glaskugeln mit Vergrößerungswirkung, doch wurden diese Erfindungen noch nicht als offizielle Lesehilfe eingesetzt.

Die Idee des arabischen Gelehrten und die erste Linse

Die Entwicklung der Brille und der Fortschritt der Wissenschaft sind ein untrennbares Paar. Doch ehe diese Einheit gebildet werden konnte, verstrichen etliche Jahrhunderte. Erst dem arabischen Gelehrten Ibn al-Haitam (965-1039 n. Chr.) kam in seiner Abhandlung "Schatz der Optik" der Gedanke, das Auge und die menschliche Sehkraft mit Hilfe einer geschliffenen, optischen Linse zu unterstützen. Das Werk hatte einen großen Einfluss auf die mittelalterliche Wissenschaft und gilt als ein Startschuss der Entwicklung der neuzeitlichen Optik.

Zu einer wirklichen Umsetzung kam es jedoch damals nicht. Erst zwei Jahrhunderte später erhielt das Buch erneut Aufmerksamkeit, als westeuropäische Mönche Ibn al-Haitams Werk aufgegriffen und dieses ungefähr im Jahre 1240 übersetzten. Nun, in Latein übersetzt, war es auch der westlichen Welt zugänglich. Für die Mönche als Bewahrer umfangreicher Bibliotheken und zahlreicher wertvoller Schriften war auch die Bewahrung der Seh- und somit Lesefertigkeit bis ins hohe Alter natürlich von ganz besonderer Bedeutung.

Wie die Brille zu ihrem Namen kam

Aus Quarz oder Bergkristall fertigten die Geistlichen erste, rudimentäre Lesesteine: halbkugelförmige, konvexe (= nach außen gebeugte) Linsen mit einer glatt polierten Grundfläche, die man direkt auf das zu lesende Schriftstück legte. In der Halbkugel zeigten sich dann die vergrößerten Buchstaben. Zwar mussten diese Lesesteine noch über jede einzelne Zeile geführt werden, ermöglichten es jedoch älteren Mönchen, sich trotz ihrer altersbedingten Sehschwäche wieder dem Studium von Schriften zu widmen.
Ein weiteres Rohmaterial für die Herstellung von Lesesteinen war der Halbedelstein Beryll. So wurde ein geschliffener Lesestein bereits im Mittelalter als "Brill" bezeichnet. Hier liegt, wie Sie es sicherlich bereits ahnen, die Herkunft unseres heutigen Begriffs "Brille". Das Prinzip der Vergrößerung durch Linsen wurde schließlich durch Roger Bacon (1214-1294 n. Chr.) verbessert und wissenschaftlich vertiefend untersucht.

Von der Entwicklung der Nietbrille zur ersten Brillenfassung

Ende des 13. Jahrhunderts wurden die relativ umständlichen Lesesteine weiterentwickelt. Die Linsen wurden kleiner und flacher geschliffen, in Rahmen gesetzt und konnten mithilfe eines Stiels direkt an das Auge gehalten werden – ähnlich wie eine Lupe. Auf diese Weise war der Schärfebereich größer, das Lesen einfacher. Die vergrößernde Wirkung beschränkte sich also nicht mehr nur auf das jeweilige Schriftstück: Komplette Räume und Landschaften konnten nun mit neuer Schärfe betrachtet werden. Der Übergang vom unhandlichen Lesestein zur ersten Brillenfassung nahm seinen Lauf.

Zwei Augen, zwei Linsen

Schon bald begann man für jedes Auge eine eigene Linse anzufertigen. Dies erleichterte die Handhabung ungemein. Maximal drei Zentimeter im Durchmesser betragende Gläser wurden in Fassungen gesetzt und über der Nase mit einem Nie verbunden - das Grundprinzip der heutigen Brille war erfunden. Die Verwendung nur einer Linse setzte sich mit der Entwicklung des berühmten Monokels fort.

Die neue Version der Lesehilfe wurde von den Gelehrten hoch gelobt: So erwähnt der Dominikanermönch Giordano da Rivalto in seiner Predigt vom 23. Februar 1305, dass die 20 Jahre zuvor entwickelte Kunst der Brillenherstellung eine der besten und notwendigsten sei. Die hochwertigsten Gläser wurden im italienischen Murano produziert. Auf der nordöstlich von Venedig gelegenen Inselgruppe verstand und versteht man es auch noch heute besonders gut, kostbares weißes Glas herzustellen und daraus Linsen zu schleifen - bereits um 1300 kam es so zu ersten Qualitätsstandards.

Brillenträger sind intelligenter...

Warum verleihen Brillen uns eigentlich ein intelligenteres Aussehen bzw. verschaffen uns automatisch eine Portion Intelligenz? Jede einzelne Brille war durch ihre aufwendige Herstellung und die verwendeten Materialien damals eine kleine Kostbarkeit. Nur reiche und angesehene Gelehrte konnten sich so etwas leisten. Hier beginnt vermutlich auch das noch heute mit der Brille verbundenen Klischee, denn da vor allem Schriftgelehrte oft Lesehilfen trugen, assoziiert man noch heute das Tragen einer Brille mit Gelehrsamkeit.

Doch auch Gläser haben ihre beiden Seiten: Entweder erscheinen Brillenträger bewundernswert gebildet und seriös oder sie werden vor allem im jungen Alter als "Brillenschlange" wahrgenommen, die ihre Nase nur in Bücher steckt und das Leben nicht genießt. Doch die Assoziation von Brillen mit Gelehrsamkeit war so stark, dass in spätmittelalterlichen Darstellungen selbst die Apostel hier und da mit Nietbrillen abgebildet wurden.

Die Brille im Gesicht erobert Europa

Während bei den allerersten Brillen die eingefassten Gläser noch mit einem Faden verbunden wurden, hatte die Nietbrille bereits einen Rahmen aus Eisen, Holz oder Horn. Die beiden einzeln gefassten Gläser wurden, wie bereits zuvor erwähnt, am Rahmen zusammengenietet. Doch die Nietbrille wurde nicht aufgesetzt, sondern vor die Augen gehalten. Ein Prinzip, das noch einige Zeit erhalten bleiben sollte, bis man mit Hilfe von einfachen Gestellen begann, die Gläser direkt am Gesicht zu tragen.

Die ersten Brillenfassungen entstehen

Da bereits im Spätmittelalter die alltägliche Nutzung der Nietbrille nichts Ungewöhnliches mehr war, wurde es allmählich Zeit für eine technische Verbesserung: In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts begann man folglich damit, Rahmen aus immer mehr verschiedenen Materialien, wie Metall, Holz, Leder, Knochen und Horn zu entwickeln, in denen beide Gläser durch einen Bügel verbunden wurden. Diese Konstruktion dieser Bügelbrille bzw. Bogenbrille war im Gegensatz zur mittelalterlichen Nietbrille stabiler und bot darüber hinaus mehr Möglichkeiten zur allmählichen Weiterentwicklung des damaligen Brillendesigns.

Auch die Bügel wurden nun so gestaltet, dass man die Brille nicht mehr ständig vor das Gesicht halten musste. Stattdessen konnte man sich die Brille fortan durch ein am Bügel eingesetztes Lederstück auf die Nasenwurzel setzen. Mit dieser Schlitzbügelbrille, die auch noch im 18. Jahrhundert Verwendung fand, hatte der Lesende erstmals in der Geschichte der Brille die Hände frei. Da es allerdings noch keine Möglichkeit gab, die Brille fest aufzusetzen - an Ohrenbügel war zu jener Zeit längst noch nicht gedacht worden - wurde sie häufig mit einer am Gestell befestigten Kette vor dem Herunterfallen gesichert. Eine Beschädigung der Gläser hätte nicht nur enorme Kosten, sondern auch eine lange Wartezeit auf Ersatz nach sich gezogen.

Der Buchdruck als Werbemittel der Brille

In jener Zeit, genauer gesagt im Jahre 1445, erfand der Goldschmied Johannes Gutenberg den modernen Buchdruck mit beweglichen Lettern. Damit mussten Bücher nicht mehr handschriftlich oder mit geschnitzten Ganzseiten kopiert werden. Es war nun viel einfacher, Schriften zu reproduzieren und sie zu veröffentlichen. Die Schriftstücke wurden aufgrund ihrer starken Verbreitung immer mehr Menschen zugänglich. Die Nachfrage und so auch die Bücherproduktion stieg in Europa rasant an – der große Bedarf an Lesehilfen folgte. Daraufhin entwickelte sich die Wissenschaft beinahe sprunghaft weiter und dem Siegeszug der Brille stand nichts mehr im Wege.

Die Sonnenbrille entsteht

Seit jeher ist bekannt, dass grelles Sonnenlicht für das Auge unangenehm ist und ihm sogar Schaden zufügen kann. Ein natürlicher Reflex des menschlichen Auges ist es, mittels Verengung der Pupille sowie durch häufiges Blinzeln das Sonnenlicht auszuschließen. Jedoch war dieser natürliche Sonnenschutz nicht immer ausreichend. Besonders jene Kulturen, die in Eis und Schnee lebten, waren durch die intensive Lichteinwirkung aufgrund von grellen Reflexionen im Schnee gefährdet. Sie wussten sich aber intuitiv zu helfen und fertigten "Schneebrillen" aus Knochen oder ähnlichen Materialien, die das helle Licht nur durch einen engen Schlitz hindurch ließen.

Auch der römische Kaiser Nero (37 - 68 n. Chr.) hat einem Bericht des Gelehrten Gajus Plinius zufolge die Kämpfe der Gladiatoren durch einen Smaragd betrachtet. Vermutlich hat er dies zum Schutz vor dem starken Sonnenlicht getan. Hierfür spricht nämlich die Tatsache, dass die Arena über kein festes Dach verfügte. Bereits gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurden Brillen zum Schutz gegen die blendenden Sonnenstrahlen mit farbigen Brillengläsern versehen. So kam der Dresdner Forscher Albert von Pflugk zu der Auffassung, dass vor allem grüne Gläser, seltener auch blaue Gläser dabei verwendet werden sollten.

Die Sonnenschutzbrille erhält Form und Design

Die Brille zum Schutz vor der Sonne erfreute sich seit dem 18. Jahrhundert immer stärkerer Beliebtheit. Zahlreiche Originalbrillen der verschiedensten Ausführungen mit grünen, blauen, gelben und roten Gläsern sind uns aus damaliger Zeit erhalten geblieben. Vor allem in China gewann die Sonnenbrille an Geltung, hier erfreute sie sich besonders großer Beliebtheit. Vorherrschende Sonnenbrillen-Formen waren in China Faden- sowie Schläfenbrillen. In Europa zählten auch Scherenbrillen, Zwicker und Monokel zu den Klassikern.

Im Laufe des 18. Jahrhundert kamen noch weitere Innovationen hinzu. Materialien wie Stoff und Leder schirmten die Augen fortan zusätzlich von der Seite ab. 1797 erfand der Brite Richardson eine Doppelbrille, bei der sich ein grünes Glas vor die eigentlichen Brillengläser klappen ließ. Diese Brillenart erfreute sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts großer Beliebtheit. Sonnenschutzbrillen blieben bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts immer noch Einzelanfertigungen. Man hatte damals übrigens die schädliche Wirkung der UV-Strahlung noch gar nicht erkannt.

Die Sonnenbrille als medizinische Notwendigkeit

Erst in wissenschaftlichen Arbeiten nach dem 2. Weltkrieg wurde nachhaltig bewiesen, dass Sonnenlicht neben dem sichtbaren auch unsichtbares Licht enthält: Infrarot- und Ultraviolettstrahlen. Dieser ultraviolette Wellenbereich ist für das menschliche Auge noch schädlicher als sichtbares Licht, dabei sind die Schäden jedoch unauffälliger, gleichzeitig aber langfristiger. Damit war die Notwendigkeit zum Schutz der Augen vor Infrarot- und UV-Licht erkannt und die Brillenindustrie entwickelte immer mehr wirksame Technologien zum Schutz der Augen.

Die Entwicklung der Sonnenbrille gipfelte schließlich in modernen, sogenannten "phototropen Sonnenbrillen". Deren Gläser verdunkeln oder erhellen sich automatisch - je nach Stärke des eindringenden Lichts. Heutige Sonnenbrillen haben Gläser aus Polyacryl oder Mineralglas. Diese sind in den verschiedensten Tönungsgraden und -varianten erhältlich. Eine gute Sonnenbrille schützt vor Wellenlängen von unter 400 Nanometern (UV-A, UV-B und UV-C) und reduziert den Blauanteil des Lichts zwischen 400 und 470 Nanometern.

Leider werden neben ausgestatteten Qualitäts-Sonnenbrillen noch immer billige Sonnenbrillen ohne wirklichen Qualitätsanspruch in großer Zahl verkauft. Diese haben einen allein modischen Zweck und sind als wirksamer Sonnenschutz gänzlich ungeeignet. Jede Brille des Brille24-Sortiments ist selbstverständlich mit einem UV-400-Filter ausgestattet. Unabhängig davon ob Sie eine Tönung wählen, ist dieser Filter bereits im Preis enthalten.


Quellen:
Sell, Nora: Die Geschichte der Brille. www.geschichte-der-brille.de/index.html [Stand: 09.01.2012].
Sell, Nora: Die Geschichte der Brille. Die Anfänge im Altertum. www.geschichte-der-brille.de/html/brille1.html [Stand: 09.01.2012].
Sell, Nora: Die Geschichte der Brille. www.geschichte-der-brille.de/html/brille2.html [Stand: 13.01.2012].
Sell, Nora: Die Geschichte der Brille. www.geschichte-der-brille.de/html/brille3.html [Stand: 19.01.2012].
www.badwildungen.de/altar/foto6.html [Stand: 19.01.2012].
Sell, Nora: Die Geschichte der Brille. www.geschichte-der-brille.de/html/brille4.html [Stand: 26.01.2012].
Loeliger, Paul ; Pittet, André: Die Geschichte der Lese- und Sehhilfen. Vom Beryll zur Brille. www.bischofoptik.ch/contento/LinkClick.aspx?link=GeschichteDerBrille_SOV.pdf
Bern: Medizin-historisches Institut der Universität Bern. [Stand: 26.01.2012].
Sell, Nora: Die Geschichte der Brille. www.geschichte-der-brille.de/html/brille9.html [Stand: 04.04.2012].
Belyus, Harald: Licht- und Sonnenschutzbrillen. Kleine Abhandlung über deren Entwicklung. www.optiker.at/archiv/museum/sonnenbrillen/lichtschutz.htm [Stand: 04.04.2012].

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